Joseph Beuys

Joseph Beuys​ - ein Biographien Referat

Dieses Referat hat Louisa geschrieben. Louisa ging in die 10. Klasse. Für dieses Biographien Referat hat wurde die Note 1 vergeben.
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Joseph Beuys

Autor: Jens Smetten

Joseph Beuys

Joseph Beuys – dieser Name ist vielen präsent, wenn es um die Modere geht, doch wer verbirgt sich hinter diesem Namen? Darauf erhält man oft nur unzureichende Antworten.
Viele meinen er hätte nichts „Schönes“ eher „anstößig Ekeleregendes“
hervorgebracht, doch dass ist das Urteil eines Laien , der sich nur mit dem oberflächlich „Schönen“, speziell für ihn Ästhetischen befasst – und nicht mit dem Inhaltlichen. Um die Werke und Aktionen Beuys zu verstehen, bedarf es einiger weniger Schlüssel, mit deren Hilfe es dann nur allzu leicht ist, die Botschaften zu interpretieren, ja zu entdecken. Seine Werke und Aktionen haben oft autobiographischen Charakter, so dass es natürlich unerlässlich ist, sich mit seinem Leben zu beschäftigen, um Entwicklungen und Ausdrucksmittel nachvollziehen zu können.
Eines der wichtigsten Gestaltungsmittel entsteht aus dem Erlebnis im Jahre 1945 , in dem Beuys, als ausgebildeter Sturzkampfflieger und Bordfunker während seines Militärdienstes, über der Krim abstürzt. Er überlebt nur dank Einheimischer Tartaren, die ihn zum Schutz vor der Kälte mit Fett einrieben und ihn in Filzdecken hüllten. Ohne diese Maßnahmen wäre er wohl erfroren. Diese existenzielle Erfahrung mit dem lebensrettenden Elementen Fett und Filz findet man in späteren Werken und Aktionen immer wieder als Symbole für das Leben /Überleben und als Sinnbild für die Kraft der Natur.
Beuys, der sich auch sehr mit der Lehre Rudolf Steiners befasste und größtenteils dieser Ideologie zusprach, verwendete Fett auch wegen seines methamorphosen Charakters, getreu dem buddhistischen Motto: Alles fließt.
Doch Fett kann mehr: Im kalten Zustand erreicht es hohe Festigkeit, ist bei Zimmertemperatur formbar skulptural einsetzbar, lebenserhaltend, nahrhaft und im heißen Zustand flüssig, mitunter dann auch gefährlich.
Generell sah es Beuys jedoch – was die Kunst des Informel1 betrifft – als DEN
entscheidenden kulturellen und besonders geistigen Schritt in der
Menschheitsgeschichte an, die Materie in der Gegenwart nachsichtig zu erreichen. Dies hieß für ihn aber niemals, sich unter Verzicht auf den Intellekt in den Stoff hineinzuversetzen, wie zahlreiche Künstler des Informel es propagierten.

„Der Sinn der Entwicklung des Gedankens im Westen als Philosophie
und des daraus erwachsenden Wissenschaftsbegriffs, insbesondere des exakten naturwissenschaftlichen Denkens, war die Materie zu erreichen.“

Ein oft angewandtes Ausdrucksmittel für die Gedankenfreiheit war der Honig – Zucker aus der Natur als Nerven/Gedankennahrung-, den er sich mitunter über den ganzen Kopf schmierte, um auf ein eingefahrenes Denken aufmerksam zu machen. (->z.B. 1965 Aktion vor der Kunstakademie Düsseldorf , oder die „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ /Erstausstellung: documenta 6, Kassel 1977)

Die Materie zu erreichen, ist in Beuy′s Weltbild ein christlicher Vorgang, der sich in der Gegenwart vollzieht.

„Die Entwicklung des Christentums ist ja nur so denkbar, dass sie
zunächst einmal in die Einsamkeit führt und dieses „Ich werde Euch frei machen!“ zunächst gar nicht geschieht. Denn zunächst muss der Mensch
das einmal durchmachen, was Christus selbst durchgemacht hat. Er muss bewusst einmal auf der Erde ankommen, d. h. er muss das Todeselement
erleben, dass er in völliger Einsamkeit dasteht und nach seinem Wesen, nach dem Wesen der Welt fragt. Das ist, denke ich, das Mysterium der
abendländischen Wissenschaft. Sie hat es erbracht, dass der Mensch fähig wird, sich an der Materie zu stoßen. Es ist die Leistung der Wissenschaft, nicht der Kirche.
Die Kirchen haben statt dessen eine orientalische Liturgie weitertradiert.“2
Der Mensch und seine Beziehung zur Natur ist das zentrale Thema Beuys. Aufgewachsen in einer streng gläubigen katholischen Familie entdeckt er schon früh sein Interesse an der Welt der Flora und Fauna in seiner näheren Umgebung. Dieses Interesse bleibt auch in späteren Jahren noch bestehen. Hier klingen zwar Gemeinsamkeiten mit der Deutschen Romantik an, doch distanziert sich Beuys davon. Seine Methodik orientiert sich nicht an Übersinnlichen, sondern geht analytisch von der Materie aus. Er verfolgt in seinem Handeln die Menschen zum eigenen Nachdenken und Überprüfen ihrer Werten anzuregen, um dann aktiv zu werden. Nur aus der Gleichsetzung von Kunst und Leben, ausgedrückt in Formeln „KUNST=LEBEN“; „KUNST=MENSCH“ oder „KUNST=MENSCH=KREATIVITÄT=WISSENSCHAFT“, ist für ihn ein neuer Wissenschaftsbegriff zu entwickeln. Der neue Kunstbegriff negiert die Wissenschaft nicht, sondern öffnet und vereint sich mit ihr unter dem gemeinsamen Aspekt der Kreativität. Diese, entwickelt aus Freiheit und Individualität, befähigt laut Beuys3 den bewusst damit agierenden und kommunizierenden Menschen zu einem Wissenschaftsbegriff der Liebe und zu künstlerischem Schaffen; ist so für ihn jeder ein Künstler. Beuys hegt regen Kontakt zu seinem Umfeld und ist ein unersättlicher „Gesprachsuchender“, nimmt jeden, der sich mit seinen Arbeiten auseinandersetzt und auf Konfliktstoff stößt, ernst und diskutiert mit diesen manchmal Tage- und Nächtelang,, um sich zu erklären, aber auch um Weiters im Gegenüber anzuregen.
Vergleicht man nun Steiners philosophische Konzeption mit Beuysschen Positionen, so wird unmittelbar deutlich, dass auch Beuys Denken und Freiheit in den Mittelpunkt seines Kunstbegriffes stellt. In einem Gespräch mit Robert Filliou aus dem Jahre 1970 sagt er:

„(…) Der Mensch ist gar kein Erdenwesen. Er ist für diese irdischen
Verhältnisse partout nicht gemacht. Er ist nur zu einem Teil auf dieser
Erde, um etwas ganz Bestimmtes zu erarbeiten, was dann in einer
weiteren Evolution darüber hinausgreift. Er wird nicht ewig auf dieser
Erde leben. Er wird eines Tages vielleicht auf einem anderen Planeten
leben. Unter anderen Verhältnissen, nicht mehr mit dieser Art Körper.
Das sind alles Dinge, die mit dem Begriff Plastik insofern
zusammenhängen, weil Plastik den genetischen Ursprungspunkt
bezeichnet. Da wo der Mensch also wirklich nicht abhängig ist von
seiner äußeren Objektwelt, also seiner Umwelt, sondern ganz unabhängig
ist aufgrund seines Denkens und seines Freiheitsbegriffs. Es wird also in
meinem Sinne das Denken schon als Plastik bezeichnet. Weil das
Denken nicht auf etwas Weiteres zurückgeführt werden kann, weil es
nicht abhängig ist von der Objektwelt. Da wo das Denken entsteht, ist
kein einziges Objekt in der Außenwelt beim Menschen vorhanden. Da
wo das Denken sich betätigt, bin ich nicht konfrontiert mit einer Sache,
die mich von außen beeinflusst. Denn da wo Denken ist, kann nichts
anderes stattfinden. Das kann nur in mir selber sein. Es kann sozusagen
nur von einem Kreationspunkt ganz neu in die Welt hineinkommen.(…)“4

Die Freiheit hat im Denken ihren Ursprung, Denken ist Kreation, ein elementarer Schöpfungsvorgang. Denken ist ein unsichtbarer plastischer Prozess, eine Formung nach Innen, eine Formung in einen Geistraum hinein. Der Mensch ist frei aufgrund seines Denkens – im schöpferischen Denken wird Freiheit ganz unmittelbar erlebt.

Beuys kommt – wie Steiner – zu dem Schluss, dass Stoff und Erscheinung, Materie und Form, aus einem geistigen Grund hervorgehen müssen: aus dem Denken. So spricht er davon, dass das Denken ein Schöpfungsakt, an anderem Ort, dass der Ursprung der Kreativität das Denken sei. Das Denken des freien Individuums wiederhole das Evolutionsprinzip von Urbeginn an. Der freie Mensch sei selbst ein Weltenschöpfer, und er erlebe, wie er die Schöpfung fortsetzen könne. Das sei seine ganze Verantwortung.
Auch Beuys geht vom Primat des Denkens aus. Auch für ihn ist das schöpferische Denken das geistige Weltzentrum. Es kann geistige Formen (Ideen) schaffen, die es zuvor weder in der natürlichen, noch in der sozialen Evolutionsgeschichte je gab. Damit wird es fähig, die Evolutionsgeschichte, die bisher das Werk inspirierender Kräfte war, aus eigener Kraft weiterzuführen.
Als kreatives Wesen besitzt der Mensch die Fähigkeit, nicht nur im Bereich der traditionellen Kunstgattungen schöpferisch tätig zu werden, sondern auch die soziale Gestalt künstlerisch zu formen. Beuys geht so weit zu sagen, dass sich der Mensch unter dieser Perspektive eine neue Erde, ja sogar eine neue planetarische Zukunft schaffen wird.
Führt man den Blick nun wieder auf seine Biographie, so begreift man schnell, wo und wie sich diese tiefen Auseinandersetzungen mit dem „Sein“ und dem sozial politischem Gefüge wiederfinden.
Ende 1956/Anfang 1957 zeichnet sich bei ihm eine tiefe Lebenskrise und damit zusammenhängend ein Umbruch der künstlerischen Entwicklung ab. Gründe dafür sind sowohl in seiner materiellen Not als auch in den Nachwirkungen seiner bis dahin immer noch nicht auskurierten Kriegsverletzungen zu suchen. Nicht ganz unwichtig scheint auch die Tatsache, dass seine Verlobte, die er Ende 1949 kennen gelernt hatte, ihm zu Weihnachten den Verlobungsring zurückschickt und die Verbindung zu ihm abbricht. Beuys fällt in depressive Erschöpfungszustände und verbarrikadiert sich wochenlang in der Wohnung seines Freundes Adam Rainer Lynen, der zu der Zeit verreist ist. Als er sich weigert die Türe zu öffnen, brechen Freunde durchs Fenster ein und finden ihn in einem dunklen Zimmer. Sein Gesundheitszustand ist sehr kritisch und Beuys behauptet immer nur, dass er sich auflösen wolle und nichts mehr außer seinem Rucksack benötige.
Beuys selbst sieht den Grund dieser Krise wie er sagt „in einer Richtungslosigkeit oder in zu vielen Richtungen… und in der verzweifelten Situation der modernen Kunst“5.
In seinem eigens verfassten Lebenslauf/Werklauf bezeichnet er diese Krise als Arbeit auf dem
Felde. Dies rührt daher, dass er zu dieser Zeit auf dem Hof der Familie van der Grinten lebt und dort so gut es geht bei der Feldarbeit mithilft. So findet er auch langsam aus seiner Krise, indem er versucht, systematisch Grundprinzipien zu erarbeiten und Schwerpunkte herauszukristallisieren. Er organisiert sich konstitutionell völlig um. Sein naturwissenschaftliches Interesse tritt wieder verstärkt in den Vordergrund und er beschäftigt sich eingehend mit der DADA-Bewegung, unter die er endgültig einen Schlussstrich ziehen will. Er sei jetzt ein neuer Mensch.
Nachdem sich Beuys 1958 an die staatliche Kunstakademie Düsseldorf beworben hat, verweigert ihm sein früherer Lehrer Ewald Mataré eine Befürwortung seiner Lehrfähigkeit. Er begründet seine Entscheidung damit, dass Beuys ein „brütender über Menschheitsproblemen sei, die nie zu lösen sind.“. Er behauptet Beuys sei besessen von seinen Ideen und deshalb außer Stande, einen guten Lehrer abzugeben. Trotzdem wird Beuys , der ja selbst an diesem Institut das Studium der Malerei und Bildhauerei abschloss, am 1. November 1961 einstimmig an den Lehrstuhl für monumentale Bildhauerei der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf berufen. Er strebt mit Hilfe seines „Erweiterten Kunstbegriffes“ eine „Umstrukturierung des Bildungs- Rechts- und Wissenschaftsbegriffes“6 an. In der Tätigkeit als Akademielehrer sieht er die ideale Möglichkeit, die Grundlagen für seine soziale Plastik zu schaffen. Er misst der ästhetischen Erziehung des Menschen eine entscheidende Rolle bei.
Dass das nicht lange gut gehen konnte war wohl vorprogrammiert.
Mit Aktionen wie dem Akademiestreit. Eckt er nicht nur an, sondern wird seiner Stelle enthoben:
Zum Wintersemester 1971/72 nimmt Beuys eigenmächtig 142 abgewiesene Studenten in seine Klasse auf. Um seiner Forderung nach den Studienbüchern der abgewiesenen Bewerber Nachdruck zu verleihen und ein Gespräch mit Wissenschaftsminister Johannes Rau zu erzwingen, besetzt er mit seinen Studenten das Studiensekretariat der Akademie. Er ist mit seiner Aktion auch erfolgreich denn das Wissenschaftsministerium sagt zu, den Fall zu prüfen und verspricht eine sachliche Lösung.

Im Wintersemester 1972/73 wiederholt sich die Zulassungsbeschr8Ankung für neue Kunststudenten, obwohl per Dekret eines Konferenzbeschlusses alle Studienbewerber aufgenommen werden sollten. Beuys reagiert darauf, indem er alle abgewiesenen Studenten in seine Klasse aufnimmt, obwohl er dann 400 Studenten zu unterrichten hat. Am 6. Oktober 1972 fordert ihn der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium auf, nicht auf die unbegrenzte Aufnahme zu bestehen. Als Beuys dieser Forderung jedoch nicht nachkommt und erneut das Studiensekretariat der Akademie besetzt, teilt ihm der Wissenschaftsminister Johannes Rau noch am selben Tag schriftlich die fristlose Kündigung mit. Joseph Beuys verlässt jedoch erst am folgenden Tag unter Polizeibegleitung das Sekretariat. Er legt sofort Widerspruch gegen die fristlose Kündigung ein und lehrt weiter. Seine Studenten veranstalten währenddessen Hungerstreiks und Protestzüge durch die Düsseldorfer Altstadt. Außerdem wird ein dreitägiger Vorlesungsboykott organisiert. Zusätzlich veranstalten seine Studenten eine Aktion, die sie „die Heimholung des Joseph Beuys“ nennen. Bei der ersten Verhandlung scheitert Beuys und lehrt anschlieA7end als freier Lehrer eines Klassenverbundes auf der Strasse vor der Kunstakademie. Am 21. Februar 1973 findet vor dem Düsseldorfer Arbeitsgericht die Hauptverhandlung statt. Die fristlose Kündigung wird aufgehoben. Eine Woche später wird die fristgerechte Kündigung gegen Beuys ausgesprochen, gegen die er sofort Einspruch erhebt.
Bei einer Verhandlung des Düsseldorfer Landgerichts am 30. Januar 1976 wir die im März 1973 ausgesprochene fristgerechte Kündigung bestätigt.
Doch nach weiteren Gerichtsverhandlungen erklärt im April 1978 das Bundesgericht die Kündigung für rechtswidrig.

Einem neues Interessensgebiet galt der internationalen Fluxus-Bewegung, mit der Beuys 1962 durch Name June Paik erste Kontakte knüpft, und im folgenden Jahr schon konkrete Arbeiten fertigt.

[Fluxus. (lat. >das Fließen<), neodadaistische Kunstrichtung um 1960, die im Zusammenspiel von Musik, Theater , bildender Kunst die grenzen zwischen den Künsten, aber auch zwischen den Künstlern und dem Publikum aufheben will; dtv-Lexikon]

Er schließt sich dieser Bewegung aber nicht an, um sich an eine zeitbestimmte Kunstrichtung anzupassen, sondern er sieht es als Chance, völlig andere Mittel für sich zu entdecken und mit persönlichen Ideen vor eine breite Öffentlichkeit zu treten.

Fluxus führt für ihn zu einem größeren Maß an persönlicher Klarheit, Verständnis und Intensität. Er beabsichtigt zwar die Konfrontation mit der jeweils anderen Meinung, doch will er keine Provokation um nur zu provozieren, sondern um neue Konzepte aufzuzeigen.
Diesen Gedanken verfolgt er auch in seiner zunehmenden politischen Präsenz. Er gründet 1967 die „Deutsche Studentenpartei“7 und setzt damit einen Grundstein für weitere Diskussionsmöglichkeiten, um noch verstärkter an die Öffentlichkeit treten zu können, um noch mehr Menschen zu erreichen. So folgen die Gründung der „Organisierten Nichtwähler“ 1970, die „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ 1971, mit dessen Büro Beuys seinen Beitrag zur documenta 5 1972 in Kassel präsentierte (oft in Begleitung von Rudi Dutschke). „Höhepunkte“, wenn man nur die rein politische Seite beleuchtet, waren wohl1979 die Kandidatur für das Europaparlament und 1980 die Kandidatur auf der Landesliste in Nordrhein-Westfalen als Vertreter der „Grünen“.

Seinen Materialien bleibt er nach wie vor treu.
Alle seine Aktionen hier zu beleuchten würde bei weitem den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen, so dass ich mich für die vielen bekannte Aktion vom 23.bis 25.Mai 1974 in der René Block Galerie, NY „I like Amerika… Amerika likes me“ entschieden habe.
In dieser Aktion bedient er sich wieder der Symboliken für die Natur; Filzdecke, Hirtenstab und Kojote und setzt sie der Wirtschaft und Konsumwelt in Form des Wall Street Journal, auf das er den Kojoten urinieren lässt, entgegen. Ein einfaches und doch so eindeutiges Zeichen setzen, dass jeder nachvollziehen kann und sofort versteht; so wie es Beuys immer wollte. Menschen zwar aufschrecken, aber leichtverständlich bleiben, um eine breite Masse erreichen zu können.
Beuys Erscheinen – und dass heißt vor allem: mit seiner Retrospektive 1979 im Gugggenheim Museum wurde zum Wegbereiter für eine sobald einsetzende intensive Aufnahme deutscher Kunst in den Vereinigten Staaten. Sein erster Besuch 1974 galt allein der gedanklichen Ebnung mit Erläuterungen und Diskussionen seiner Vorstellungen von der sozialen Plastik und von der notwendigen Erneuerung der Gesellschaft.
Der Ablauf der Aktion in der Galerie von René Block gestaltete sich folgendermaßen:
An den drei Tagen dauerte sie jeweils von 10-18 Uhr. Am ersten Tag betrat er den Aktionsraum durch eine Tür in der fast bis zur Decke reichenden Maschendrahtwand, die die schmale Publikumzone vom sehr viel größeren Publikumsraum abtrennte. Bei sich hatte Beuys Lederhandschuhe, eine Triangel, eine Taschenlampe, einen Spazierstock und eine große Filzbahn; Handschuhe, Stock und Taschenlampe waren braun angemalt. An der Weste links über dem Herzen trug er ein Stück Hasenfell.
Jeden Tag wurden 50 Exemplare des Wall Street Journals in den forderen Aktionsraum angeliefert. Dazu Beuys.
„Zuerst brachte ich den Filz herein, dann kam das Heu, das der Kojote mitbrachte:
Diese beiden Stoffe tauschten wir sofort unter einander aus: er ließ sich in meiner Zone nieder, ich mich in der seinigen. (…) Wahrscheinlich hatte ich die
>geistige Lage< richtig eingeschätzt..
Ich hatte wirklich einen guten Kontakt mit ihm.“8
Der Galerist René Block beobachtete die beiden so:
„Obwohl der Kojote gegen seinen Pfleger von der Farm recht aggressiv war und man uns
vor seiner Gefährlichkeit warnte, klappte der >Dialog< mit Beuys sofort... Im laufe der Tage fasste er Vertrauen, erwartete morgens Beuys schon und
passt er sich dessen Aktions-Rhythmus an, legte sich auf den Filzhaufen , wenn Beuys es tat.“
Ein eindrucksvolles Machtspiel entstand und doch gab es sehr viel Harmonie zwischen Mensch und Tier. Beuys verließ den Aktionsraum am dritten Tag wie er angekommen war – komplett in Filz gehüllt. Doch zuvor nahm er noch mal den Kojoten in den Arm.

Beuys, der kaum eine Gelegenheit ausließt, seine Arbeiten auszustellen, und trotz vieler Auszeichnungen sehr bescheiden, oft am Existenzminimum lebte, zeigte sich uninteressiert am modernen Kunstbetrieb und seinem „pseudo-kulturellen Getue“. Am 1. November 1985 schreibt er ein kleines Manifest und lässt es als Postkarte verbreiten: „der Fehler fängt schon an, wenn einer sich anschickt, Keilrahmen und Leinwand zu kaufen“, oder er erklärt im selben Medium: „hiermit trete ich aus der Kunst aus“. Vor dem Hintergrund seiner Erläuterungen des künstlerischen Prozesses lösen sich derartige Widersprüche indessen auf. Beuys beklagt immer wieder die Nischenexistenz der modernen Kunst, ihre Spezialisierung und Wirkungslosigkeit. In seinen Augen darf Kunst „nicht etwas Retinales bleiben“. Nachdem sie zur Angelegenheit einiger Intellektueller geworden ist, weitab vom Leben der Menschen, müsse man eine ganz neue Basis schaffen, die für Beuys im „anthropologisch erweiterten Kunstbegriff“ gegeben sei, ein Begriff, der vieles umfasse, da er sich auf die menschliche Kreativität und die menschliche Arbeit ganz allgemein bez9Age.
Kunst, so verstanden, müsse erst entstehen, „denn es gibt sie noch nicht…“ Daran hat Beuys zeitlebens gearbeitet: als Künstler die Formel zu finden, „von der aus man … das Weltproblem lösen kann…“ Ihm schwebte ein Begriff von Kunst vor, der zur Umgestaltung der Gesellschaft einschließlich aller Rechts- und Wirtschaftsfragen taugen würde.

Diesen Gedanken verfolgte er bis zum Schluss. Beuys starb 1986 in Düsseldorf an den Folgen einer Lungenentzündung durch Herzversagen.

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