Otto von Bismarck

Otto von Bismarck​ - ein Biographien Referat

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Otto von Bismarck

Autor: Jens Smetten
Otto von Bismarck

Herkunft

Otto von Bismarck wurde am 1.April 1815 in Schönhausen an der Elbe geboren. Seine Eltern waren Wilhelmine Mencken, Tochter eines höheren Beamten und der doppelt so alte Junker Ferdinand von Bismarck, die am 6.Juli 1806 geheiratet hatten. Im Frühjahr 1816 siedelte die Familie auf das neu erworbene Gut Kniephof über. 1821 verließ er als Sechsjähriger, die von ihm geliebte Idylle auf Willen der Mutter und ging auf ein Internat nach Berlin, die Plamannschen Erziehungsanstalt. 1827 wechselte er auf das Friedrich-Wilhelm Gymnasium und 1830 bis zum Abitur auf das Gymnasium zum Grauen Kloster. Als Siebzehnjähriger nahm Bismarck 1832 in Göttingen das Jurastudium auf. Endlich nicht mehr bevormundet, gab er sich ausgelassen dem Studententreiben hin. Er interessierte sich vornehmlich für Vorlesungen über europäische Staatssysteme. 1834 wechselte Bismarck an die Universität Berlin. Nach drei Jahren in Berlin schloß er als zwanzigjähriger sein Studium ab. Am 20. Mai legte er sein juristisches Examen ab und begann die übliche Referendarausbildung am Stadtgericht.

Vom Staatsdiener zum Gutsherr

Am Berliner Stadtgericht mußte Bismarck wenig aufregende Hilfsdienste ausüben, deshalb verließ er 1838 den Juristendienst Richtung Aachen. Zu Beginn seiner Zeit als Regierungsreferent zeigte er seinen guten Willen in Sachen Pünktlichkeit und Ordnung. Er fand jedoch Gefallen an englischen Damen der Gesellschaft. Im Sommer 1837 kam es zum Eklat. Bismarck verlängerte seinen zweiwöchigen Urlaub auf mehrere Monate, um mit der Engländerin Isabella Loraine-Smith und ihrer Familie eine Reise zu unter nehmen. Die große Liebe war sie jedoch nicht, vielmehr ein Fiasko. Hinzu kamen Schulden, so daß Bismarck sich Gedanken über seine berufliche Zukunft machen mußte. Er nahm einen neuen Anlauf beim Regierungspräsidium in Potsdam. Ende März trat er als Freiwilliger für ein Jahr bei den Potsdamer Gardejägern ein. Im Herbst 1838 lies er sich nach Greifswald versetzten und am 22. Oktober beantragte er die Entlassung aus dem Staatsdienst. Bismarck ging den Weg vom Juristen zurück zum Junker. Nach den vielen Fehlschlägen im Staatsdienst lockten ihn die Freiheiten einer landadligen Existenz. Im Sommer 1839 kehrte er nach Kniephof zurück und übernahm es und die beiden Nachbargüter, zunächst zusammen mit deinem Bruder. Nach dessen Kür zum junkerlichen Landrat wurde Bismarck 1841 Alleinherr über 2200 Morgen Land. Er schaffte es, den vernachlässigten Besitz wieder rentabel zu machen. Dadurch gewann er finanziell festen Boden unter den Füßen. Als sein Werben um die Hand einer adligen Gutstochter abgewiesen wurde, floh er gekränkt. Ihn packte der Drang nach einer freien Welt. Von Juli bis September 1842 reiste er durch Schottland, England, Frankreich, Italien und die Schweiz. Er versuchte es noch einmal in den Staatsdienst zurückzukehren und nahm eine Stelle in Potsdam an.. Am 15. Mai 1844 nahm er Urlaub – für immer. In seinem Inneren blieb der Außenseiter todunglücklich. Von Wehleidigkeit ergriffen, diagnostizierte er seine Krankheit, eine an Lebensüberdruß grenzende Gelangweiltheit.
Im April 1846 verließ Bismarck Pommern, verpachtete Kniephof und siedelte nach Schönhausen, seinen Geburtsort, über. Kurz vor Weihnachten 1846 schickte er einen Brautwerbebrief an den alten Puttkamer. Dieser war entsetzt über die Aussicht seiner Tochter, einen Mann zu heiraten, über den er viel Übles und wenig Gutes gehört hatte. Trotzdem willigte er in die Hochzeit ein, die am 28. Juli stattfand. Johanna von Bismarck brachte drei Kinder zur Welt: 1848 die Tochter Marie, 1849 und 1852 die Söhne Herbert und Wilhelm.

Gegen die schwarz – rot – goldene Revolution

Ende 1846 übernahm Bismarck sein erstes öffentliches Amt, Deichhauptmann an der Elbe. Am Vorabend der Revolution verteidigte er mit Feuereifer die althergebrachten Rechte der Ritterschaft, demokratieferne Traditionen aus der Zeit des Feudalismus, namentlich das Jagdprivileg und die lokale Gerichtshoheit. Er beteiligte sich führend daran, den Verein der Gutsbesitzer zu gründen, ihre Interessenpolitik zu formulieren und dafür mit modernen Methoden Unterstützung zu mobilisieren. Der königliche Hardliner rückte in den einflußreichen Kreis der Einflüsterer um den Thron auf. Er war als Ministermacher aktiv. Am 5. Februar 1849 zog Bismarck mit einer knappen Mehrheit in seinem Wahlkreis Brandenburg in die zweite Kammer, das Abgeordnetenhaus, vor. Mitte 1849 nach dem Dreiklassenwahlrecht erneut in die Kammer gewählt, überließ er Schönhausen einem Pächter, bezog mit der Familie eine Berliner Stadtwohnung und machte die Politik zum Beruf. Der 35 Jahre alte Abgeordnete nutzte die Rednerbühne als Sprungbrett. Seine Stunde schlug am 3. Dezember 1850, als er die Punktuation von Olmütz offensiv verteidigte. Bismarck zog mit seiner eindrucksvollen Rede, die durch das Gespür die innen- und außenpolitische Lage bestach, einen Schlußstrich unter die Unionspläne. Zugleich deutete er schon die äußerste Entschlossenheit an, mit der er, sollte er eines Tages die Möglichkeit erhalten, die Großmacht Preußen neu interpretieren wollte.

Die Schule der Außenpolitik

Am 8. Mai berief Friedrich Wilhelm V. Bismarck zum Gesandten in Frankfurt am Main und ernannte ihn gleichzeitig zum Geheimrat. Bismarck sah im Bundestag bald nur noch ein Hindernis zu einer offensiven Außenpolitik Preußens, wie sie ihm vorschwebte. Als wichtigen Erfolg konnte er verbuchen, daß der österreichische Vorstoß scheiterte, den Deutschen Bund handelspolitisch auszubauen und Preußens Vorposten, den deutschen Zollverein von 1834, zu sprengen. 1855 besuchte Bismarck die Pariser Weltausstellung in Paris, um die Gelegenheit zur Kontaktaufnahme mit dem neuen Kaiser zu nutzen, dessen Erfolgsrezept ihn faszinierte: ein Regime, autoritär geschützt auf Armee und Polizei, demokratisch geweiht durch Wahlen. Den Verdacht ein Bonapartist geworden zu sein, wies Bismarck ab. Aufgrund der Übernahme der Regentschaft von Wilhelm, Bruder von Friedrich Wilhelm V., der unheilbar geisteskrank wurde, verlor Bismarck an Einfluß, da die Regierung nun gemäß konservativ und westlich orientiert agierte. Auf Wunsch Wilhelms wurde Bismarck Gesandter am russischen Zarenhof, bei dessen Neffen Alexander II.. Bismarck fühlte sich dort wie ausgeschaltet und entwarf daraufhin am 5. Mai Pläne für eine großpreußische – protestantische Expansion. Daraus wurde jedoch nichts, da er im Juni 1859 schwer erkrankte und fast ein Jahr seinem Petersburger Posten fernbleiben mußte. Nach dem Tod Friedrich Wilhelm V. Setzte sich Wilhelm I. am 18. Oktober 1861 die Krone auf. Um sein Vorhaben durch zusetzten lies er das Parlament aus Widerspenstigkeit auflösen. Bismarck wechselte vorläufig als Gesandter nach Paris und reiste in seinen Ferien nach Südfrankreich. Bei seiner Wiederkehr erwartete ihn ein Telegramm: ,,Gefahr im Vollzug. Beeilen sie sich!“

Eisen und Blut

Auf dem Höhepunkt der Krise in Preußen schlug die Sternstunde Bismarcks. Die Wende zum parlamentaristischen System kündigt sich an durch den Hoffnungsträger der Liberalen , dem Kronprinzen. Bismarck steht in dieser Situation voll hinter Wilhelm I., ,,Was ich vermag steht eurer Majestät zur Verfügung“. Das Treuegelöbnis überwältigt den Monarchen. Er sagte zu, seine Dienstzeit auf drei Jahre zu verlängern und die Heeresreform ohne Abstriche durchzusetzen. Bismarck wurde Ministerpräsident und Außenminister, ohne sich näher auf ein Regierungsprogramm festlegen zu müssen. So konnte er auch hier wieder ein hohes Maß an seiner Unabhängigkeit bewahren. Der 22. September 1862 stellte für Deutschland bis ins 20.Jh hinein die Weichen: Bismarck bremste den fälligen politischen Wandel und leitete statt dessen mit seinem Sieg im Heeres- und Verfassungskonflikt den erstaunlichen, unheilvollen Erfolg der preußischen Militärmonarchie und der adligen Offizierskaste ein. Bismarck griff im Kampf um das eigene politische Überleben zu Druckmitteln. Erbittert polarisierte und provozierte er. Der Konfliktminister ging rücksichtslos gegen oppositionell eingestellte Beamten vor und versuchte die Pressefreiheit zu knebeln.

Tragischer Triumph: Königgrätz 1866

Bismarck verlor Schleswig-Holstein nie aus den Augen. Gern hätte er aus dem Land eine preußische Provinz gemacht. Da Österreich und Preußen gemeinsam die Herrschaft in den nördlichen Herzogtümern ausübten, konnte Bismarck jederzeit Zwischenfälle provozieren und damit Wien reizen. Ziel Bismarcks war es nicht nur den Einfluß Habsburgs im Norden auszuschalten, sondern den Rivalen ganz aus Deutschland hinaus zu drängen. Der Konflikt endete in der Schlacht bei Königgrätz, aus der Bismarck als großer Sieger hervorging. Den Waffengang gegen Österreich hielt er für notwendig, um den Führungsanspruch, den seiner Zeit Friedrich der Große erhob, in Deutschland durch zu setzten. Österreich wurde im Frieden von Prag am 23.08.1866, nach fast tausendjähriger Zusammengehörigkeit aus dem Verband der Deutschen ausgeschlossen. Der jahrhundertelang führende Habsburgerstaat mußte ab sofort an der Gestaltung Deutschlands verzichten. Mit seiner Aktion hatte Bismarck die Nation geteilt, um sie einen zu können.
Damit schuf Bismarck eine neues Preußen, vergrößert es um ein Fünftel, mit einem geschlossenen Territorium von der Saar bis an die Memel. Er annektierte Schleswig, Holstein, das Königreich Hannover, sowie Kurhessen und Nassau, gegen alle Legitimität und historischen Rechte. Den Bruch mit den konservativen Prinzipien empfanden Freund und Feind als ,,Revolution von Oben“. Bismarck selbst verkündete am 11. 08. 1866 seine Devise ,,Soll Revolution sein, so wollen wir sie lieber machen als erleiden“. Bismarck war auf dem schmalen Grat zwischen Totengräber und Volksheld gewandert. Er ging als Sieger hervor und war der populärste Mann in Preußen. Auch die Demokraten schwärmten für ihn und hofften, daß er ein einiges Deutschland zustande brächte.
Im Februar 1867 trat der Reichstag zusammen und nahm mit großer Mehrheit im April die Bundesverfassung an, an der Bismarck in einem zwei monatigem Urlaub auf der Insel Rügen gearbeitet hatte. Am 14.Juli ernannte Wilhelm I. Bismarck zum Kanzler des Norddeutschen Bundes.
Für seine Leistungen bekam Bismarck 1867 auf Wunsch des Königs 400.000 Taler. Er kaufte sich ein riesiges Gut mit sieben Dörfern in Hinterpommern. Der Landhunger und die Erwerbssucht Bismarcks waren bekannt.

Der Reichsgründer

Das französische Veto hinderte Bismarck 1866 daran, den preußischen Machtbereich über die Mainlinie auszudehnen und die Einheit zu vollenden. Die Anschlußpläne trafen in Süddeutschland auf dynastische Widerstände und die Ressentiments breiter Volkskreise. Während sich die Perspektiven seiner Deutschlandpolitik eher verdüsterten, hielt Bismarck Ausschau nach außenpolitischen Chancen. Ins Zentrum seiner Schachzüge rückte Frankreich. Auch erkannte er immer klarer, daß ein Konflikt mit Frankreich die letzten Hindernisse auf dem Weg zum preußisch – deutschen Nationalstaat beiseite räumen würde. Die Kandidatur des Sigmaringer Prinzen Leopold aus der süddeutschen Seitenlinie der Hohenzollern für den vakanten Thron in Madrid führte schließlich zum Krieg mit Frankreich. Bismarck kündigte den Krieg mit Frankreich als eine unabweisliche Notwendigkeit an, bei der die rechte Kaiserkrone auf dem Schlachtfeld erworben werde. Offiziell gab sich Bismarck als ganz unbeteiligt, insgeheim drängte er aber zum Krieg. Am 2. Juli platzte die ,,spanische Bombe“. Frankreich werde es nicht dulden, daß eine fremde Macht einen ihrer Prinzen auf den Thron Karls V. setzt. Wie erwartet erklärt Frankreich am 19. Juli Preußen den Krieg. Am Morgen des 1. Septembers begann bei Sedan an der Maas die entscheidende Schlacht, bei der Preußen als Sieger hervor ging. Am 17. Januar 1871 schlug die Geburtsstunde des Deutschen Reiches, Wilhelm I. wurde zum Deutschen Kaiser ernannt. Die deutsche Einheit war erreicht. Bismarck hatte mit List und Geschick zusammengebracht, was zusammengehörte. Nach dem Waffenstillstand am 28.Februar in Versailles konnte Bismarck am 1. März in Paris einreiten und am 10. März den Frieden von Frankfurt unterzeichnen. Der Kaiser ernannte Bismarck zum Reichskanzler. Mit 56 Jahren stand er am Höhepunkt seiner Karriere. Auf den Spuren Friedrichs des Großen hatte er Preußen zur dominierenden Stellung in Deutschland verholfen.

Großmacht in der Mitte Europas

Nach 1872 erlebten die Menschen in Europa eine Epoche des Friedens, was nicht zuletzt Bismarcks Außenpolitik zu verdanken war. Freihändig jonglierte er mit den fünf Kugeln, den Großmächten, wobei ein immer artistisches Geschick verlangt war, um die Gewichte auszubalancieren. Der Kriegspolitiker von 1864, 1866 und 1870 entpuppte sich nun als Manager des Friedens. Wie einst Metternich, setzte sein später Erbe eher auf Gemeinsamkeit unter den Staaten und Regierungen Europas gegen die Anfechtung durch die Dynamik der nationalen Macht- und Wirtschaftsinteressen sowie die zunehmenden Einflüsse der öffentlichen Meinung. Solange Bismarck regierte, bannte er die Gefahr einer franko – russischen Allianz und damit eines Zweifrontenkrieges. Bismarck blieb der expansive Nationalismus, der Raumtausch des Imperialismus weit gehend fremd, obwohl seine Politik nicht unerheblich dazu beitrug, die Dynamik dieser modernen Kräfte zu entfesseln. Trotz allem war sein Maßstab letztlich das Europa von 1815, seinem Geburtsjahr: eine konservative Staatenordnung mit den Prinzipien von Solidarität, begrenztem Konflikt und Interessenausgleich.

Vom Kulturkampf zur Sozialversicherung

Während Bismarck den Nationalstaat nach Außen sichern konnte, mißlang die innere Einheit. Es entstand das Zentrum, eine Partei gelenkt von der römischen Kurie. Mitte 1871 schloß Bismarck die katholische Abteilung im preußischen Kultusministerium. Der Führer der Zentrumsfraktion ließ sich jedoch nicht einschüchtern. Mitte 1872 verbot ein Gesetzt die Jesuiten und deren Tätigkeit in Deutschland. Mit den Maigesetzten von 1873 wollte Preußen die Ausbildung und Einstellung von Geistlichen der staatlichen Kontrolle unterwerfen. Die Katholiken probten vom Rheinland bis Oberschlesien den zivilen Ungehorsam. Darauf hin enthob die Regierung brachial alle widerspenstigen Kirchenvertreter ihres Amtes. Im Sommer 1874 wurde auf Bismarck von einem jungen katholischen Arbeiter ein Anschlag verübt, der jedoch glimpflich verlief. Bismarcks Ziel, die Zentrumspartei zu vernichten, verfehlte er völlig. Im Gegenteil, die verdoppelte bei den Wahlen 1874 ihre Stimmwahlen. Mit dem neuen Papst Leo XIII. Begann 1878 der allmähliche Abbau der Spannungen. Die Großwetterlage hatte sich verändert, denn die liberale Ära war zu Ende. Bismarck arrangierte sich punktuell auch mit dem Zentrum, dessen parlamentarische Hilfe er jetzt brauchte.
Wirtschaftlich bedeutete die nationalistische Einheit für Deutschland einen gewaltigen Schub nach vorne. Der Gründerboom, der die Hochkonjunktur seit den 1860er Jahren fortsetzte, schlug mit dem Börsenkrach von 1873 plötzlich um. Angesichts der Wachstumskrise entschloß sich der Kanzler, 1878/79 vom Freihandel zur Schutzzollpolitik überzugehen. Gleichzeitig begann er, kaum daß sich das Ende des Kulturkampfes abzeichnete, den Krieg gegen die rote Gefahr, gegen seine neuen ,,Reichsfeinde“. Am 11. Mai und am 2. Juni 1878 wurde jeweils ein Anschlag auf Wilhelm I. von einem Sozialisten verübt. Darauf hin verabschiedete der neue Reichstag im Herbst 1878 gegen die Stimmen des Zentrum und Fortschritt das ,,Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie. Wie zuvor die Katholiken, erbitterte nun das Sozialistengesetzt das wachsende Heer der Industriearbeiter und entfremdete sie innerlich der preußisch – deutschen Monarchie.
Am 17. November 1881 ließ Bismarck in einer kaiserlichen Botschaft sein Programm für mehrere Sozialversicherungen ankündigen. Um die Unzufriedenheit der Arbeiter einzudämmen, wollte Bismarck sie gegen existentielle Risiken schützen, um nicht zuletzt der Sozialdemokratie den Boden unter den Füßen abzutragen. Den Anfang machte 1882 die Krankenversicherung, 1884 kam im dritten Anlauf das Gesetz über die Unfallversicherung zustande. 1889 beschloß er schließlich nach langem Hin und Her die Alters- und Invaliditätsversicherung.

Entlassung und Ende

Nach dem Tod Wilhelm I. Am 9.03.1888 kam der damals schon todkranke Friedrich III. für 99 Tage an die Macht bevor er an Kehlkopfkrebs starb. Den Thron bestieg dann der 29jährige Wilhelm II. Er war zu unreif und unerfahren und ihm waren die Belehrungen des Eisernen Kanzlers lästig. Bismarck glitt die Macht aus den Händen, auch weil er die Zügel schleifen ließ und gewöhnlich viele Monate fern von Berlin in Varzin oder Friedrichsruh zu leben pflegte. Im Jahr 1889 brach im Ruhrgebiet ein Bergarbeiterstreik aus. Neue Antworten wußte Bismarck nicht. Seine Rezepte aus der Vergangenheit taugten nicht mehr für eine urbane Industriegesellschaft. Bismarck gab zunächst seinen Posten als Handelsminister nach 10jähriger Amtszeit ab, bevor ihn der Chef des Militärkabinetts am 17. März aufforderte seinen Rücktritt einzureichen. Noch am selben Tag seiner Einreichung berief Wilhelm 2 den General Leo Caprivi zum Nachfolger und erklärte Bismarck zum ungehorsamen Untertanen. Am 29. März verließ Bismarck nach fast drei Jahrzehnten die Berliner Schaltzentrale der Macht, die Wilhelmstraße. Bismarcks unfreiwilliger Abschied von der Macht bedeutete keinen Abschied von der Politik. Im Herbst 1890 begann er seinem Mitarbeiter die ,,Gedanken und Erinnerungen“ zu diktieren, die später in drei Bänden veröffentlicht wurden. Erst am 26. Januar 1894, vier Jahre nach seinem Sturz, kam der Eiserne Kaiser auf Einladung des Kaisers noch einmal für einen Tag nach Berlin. Ende 1894 Starb seine siebzigjährige Frau in Varzin, nach einer Ehe voller Pflichtgefühl und Selbstverleugnung. Zu seinem 80. Geburtstag feierte ihn die Nation noch einmal überschwenglich. Der Reichsgründer war längst zum Mythos geworden. Über 450 Ehrenbürgerschaften und rund 500 Standbilder, Türme sowie Gedenksteine zeugten davon. Die Denkmäler verewigten ein Mißverständnis: Kein feinnerviger Staatsmann mit seinen Ecken, Kanten und Brüchen ist zu betrachten, sondern ein Heros in Uniform symbolisierte im Geschichtsdenken der Deutschen das fatale Ideal vom starken Mann. Des Lebens endlich überdrüssig, entschlief er am 30. Juli 1898 kurz vor Mitternacht in Friedrichsruh

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