Psychopharmaka - Wirkung und Nebenwirkung

Psychopharmaka - Wirkung und Nebenwirkung​ - ein Biologie Referat

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Psychopharmaka – Wirkung und Nebenwirkung

Psychopharmaka – Wirkung und Nebenwirkung



Geschichtliche Hintergründe:

Jahrhundertelang wurden Menschen mit psychischen Erkrankungen in Verließen eingesperrt
und als ,,Hexen“ oder ,,vom Teufel besessen“ bezeichnet. Nach der französischen Revolution änderten sich diese miesen Zustände, es kam zu einem Umschwung und zur Befreiung der Kranken aus Ketten und Kerkern.
Mit der Entdeckung des Neuroleptikums Chlorpromazins (1952) brach das Zeitalter der
modernen Psychopharmaka an.

Definition:


– Arzneimittel zur Behandlung seelischer Störungen
– Wirken auf Gehirnfunktion ein, d.h. auf die Erregungsübertragung von Nervenzellen; Angriffspunkt ist die Synapse
_ Besitzen therapeutischen Nutzen = Veränderung seelischer Funktionen (z.B. Erleben, Befinden, Verhalten)

Die Terminologie der Psychopharmaka ist bei verschiedenen Autoren unterschiedlich, die Zahl der Termini ist beträchtlich. Dabei ist anzumerken, dass die Grenzen zwischen den einzelnen Gruppen nicht scharf zu ziehen sind, aber aus Gründen der Indikationsstellung zwechmäßig.
Trotz zahlreicher praktischer Erfolge mit modernen Psychopharmaka wissen wir nur wenig über psychische Erkrankungen und wenig über den molekularen Wirkungsmechanismus der bei diesen Erkrankungen wirksamen Pharmaka. Allerdings sprechen eine Reihe von Beobachtungen und Befunden dafür, dass zumindest ein Teil der Psychosen irgendwie mit Störungen im Stoffwechsel und Überträgersubstanzen verknüpft ist, in den die Psychopharmaka möglicherweise eingreifen.

Wirkungsmechanismus der Psychopharmaka:


_ Psychopharmaka beeinflussen die Impulsweitergaben zwischen den neuronen
_ Dabei wird die Neuronale Rückaufnahme und/ oder die Rezeptorenbindung der Neurotransmitter gehemmt bzw. blockiert
_ Neurotransmitter sind Serotonin, Acetycholin, Noradrenalin, Dopamin usw.
_ der elektrische Impuls kann nicht originalgetreu weitergegeben werden und wird verändert bzw. geschwächt

I. Psychopharmaka im weiteren Sinne:

1. Hypnotika:

Schlaf herbeiführendes Mittel; wirken in geringen Dosen als Seditiva, in hohen Dosen als Narkotika; Gefahr der Gewöhnung u. suchtähnlichen Abhängigkeit

2. Seditiva:

Beruhigungsmittel; wirkt allgemein dämpfend auf des Zentralnervensystem (in hohen Dosen narkotisch; Alkohol bewirkt Wirkungssteigerung)

3. Antiepileptika:

Mittel zu Epilepsiebehandlung

4. Psychostimulantia:

Medikamente mit steigernder Wirkung auf die psychische Aktivität

_ werden als Dopingmittel im Leistungssport missbraucht
_ bei Überdosierung sind diese Substanzen Krampfgifte

– Coffein:

· bei Tierversuchen lassen sich bei Überdosierung die typischen Krämpfe und auch eine Erregung des Rückenmarks feststellen
· Ermüdung verschwindet, geistige Aufnahmefähigkeit, das Merkvermögen u. die Denkfähigkeit werden gesteigert
· 1- 3 Tassen verhindern das Ein- bzw. Durchschlafen, höhere Dosen erzeugen Ideenflucht, Ruhelosigkeit, auch Herz- Irregularitäten

II. Psychopharmaka im engeren Sinne:

1. Neuroleptika:

a) Wirkung:
– Bei Gabe eines Neuroleptikums kommt es akut zu einer starken Sedierung, psychomotorischer Verlangsamung, Abnahme der Vigilanz , Interessenverlust sowie einer Distanzierung gegenüber der Umwelt
– Auch Distanzierung gegenüber Schmerzempfindungen und kann in Verbindung mit anderen Medikamenten zur Therapie starker Schmerzzustände ausgenutzt werden
– Höhere Dosen verursachen Schlaf, aber keine Narkose (der Patient bleibt weckbar)
– Nach längerer Zufuhr macht sich die antipsychotische Wirkung bemerkbar, d.h. schizophrene Reaktionen (wie z.B. Persönlichkeitsspaltung, halluzinatorische Phänomene, Wahnideen) werden im laufe von Wochen oder Monaten abgemildert

b) Wirkungsmechanismus.
– Hemmen die neuronale Wideraufnahme von Noradrenalin und Serotonin im Cortex
– Sie blockieren in den Basisganglien, im Hypothalamus und im Limbischen System die Dopamin- Rezeptoren, indem sie aufgrund ihrer Affinität zu den Dopamin- Rezeptoren an die Rezeptoren gebunden werden, und steigern dien Dopamin Umsatz


c) Nebenwirkungen:

– bei chronischer Anwendung kann Parkinsonismus entstehen; durch Reduktion der Dosierung reversibel; tritt durch die Beeinflussung des dcopamin- Stoffwechsels auf
– Blutdrucksenkung, Mundtrockenheit und Schwellung der Nasenschleimhaut, hohe Herzfrequenz
– bei Bestehen einer Tachykardie, einer Prostata- Hypertrophie und eines Engwinkel- Glaukom nicht verordnet werden ( evtl. Verschlimmerung)
– erhöhte Krampfbereitschaft (Alkohol- und Schlafmittelabhängigen und Epileptikern) unter Neuroleptika

2. Antidepressiva:

– Antidepressiva, auch Thymoleptika genannt, werden bei endogener Depression
eingesetzt
– depressiven Phase erstreckt sich von einer überschießenden Reaktion, die von Gesunden nachempfunden werden kann, bis zur endogenen Melancholie, die nicht mehr nachempfindbar ist.
– Der Patient leidet dabei und schweren Selbstvorwürfen, es bestehen Suizidgefahr ( dazu kommt es aber kaum, solange der Antrieb gehemmt ist) und der Antrieb zu Handlungen bzw. Tätigkeiten ist gehemmt; hinzu kommen Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Potenzstörungen usw.)

a) Wirkung
– sofort eintretender Effekt (bei Gesunden und Depressiven):
Beruhigung, Verminderung der geistigen und körperlichen
Aktivität, Schläfrigkeit
– nach längerer Zufuhr: antipsychotischer Effekt (nur bei Depressiven) = stimmungsaufhellende und depressionslösende Wirkung

_ Schwere und Dauer der depressive Phase kann günstig beeinflusst werden

b) Wirkungsmechanismus:
– die Substanzen weisen Affinität zu Rezeptoren der Überträgerstoffe auf und wirken jeweils als Hemmstoffe
– neuronale Rückaufnahme der Neurotransmitter wird behindert, deren Wirksamkeit also verstärkt und blockieren die Rezeptoren
– z. B.: Imipramin: neuronale Rückaufnahme von Serotonin und Noradrenalin wird behindert (Wirkung verstärkt) und die Acetylcholin- Rezeptoren, Histamin- Rezeptoren und adrenerge Rezeptoren werden blockiert
– Unklar ist in welcher Weise sich der antidepressive Effekt aus der Interferenz mit Überträgerstoffen ableitet
– Möglicherweise sind Veränderungen, die sich im ZNS als Reaktion auf die Interferenz langsam entwickeln, Ursache für die antipsychotische Wirkung

c) Nebenwirkungen
– über die Blockade der Acetycholin- Rezeptoren kommt es zu folgenden Wirkungen:
– Störungen im vegetativen Nervensystem: hohe Herzfrequenz, Trockenheit der Mund- und Nasenschleimhäute, Reduktion des Sympathikus- Einflusses
– Je nach Medikament auch: Sehstörungen, Tremor, Obstipation, Miktionsstörungen
– Fälle von cholestatischer Hepatose und Knochenmarksschädigungen wurden beobachtet
– Abruptes Absetzen nach landandauernder Therapie vermeiden, da Entzugssymptome
– Bei Angstdepressionen mit Suizidgefahr, akuten Vergiftungen mit Alkohol, Hypnotika und Opiaten sowie Herz- Leber- und Nierenschädigung sollten sie nicht verordnet werden

Beispiel:


1) Imipramin:

– Hemmung der Wiederaufnahme von Noradrenalin
– Blockade des Acetylcholin- Rezeptors

2) Fluoxetin:
– hemmt neuronale Rückaufnahme von Serotonin
– besitzt keine atopin- artigen Nebenwirkungen

3. Tranquilizer:

– sollen Angst- und Spannungszustände lösen und einen überstarken Einfluß von negative
Emotionen auf die Befindlichkeit dämpfen
– werden bei Angstneurosen, Phobien und ängstlicher Depression genutzt;
– bedeutende Vertreter der Tranquilizer sind Benzodiazepine und auch Valium


a) Wirkung:
– Transquilizer dämpfen die interneuronalen Erregunsausbreitung, so dass weniger Impulse aus dem limbischen System zu höheren Hirmabschnitten gelangen (= verminderte elektrische Aktivität)
– Da angenommen wird, dass die Stimmung eines Menschen wesentlich vom limbischen System mitbeeinflußt wird, nimmt dieser Einfluss unter der Wirkung der Tranquilizer ab
– Das Bewusstsein wird so von äußeren und inneren Erlebnissen u. ihrer Verarbeitung distanziert
– Die Erregungsdausbreitung im motorischen System wird dadurch beeinträchtigt

b) Wirkungsmechanismus:
– dämpfen die interneuronale Erregungsausbreitung, so dass weniger Impulse aus dem limbischen System in der Formatio Reticularis zu höheren Hirnabschnitten gelangen
– auch Erregungsausbreitung im motorischen System wird bei höheren Dosen beeintächtigt
– Der Überträgerstoff GABA (_- Aminobuttersäure) bewirkt eine Öffnung von Chloridkanälen: die Chlorid- Leitfähigkeit der Nervenmembran nimmt zu, wodurch die Reaktion auf depolarisierende Reize abgeschwächt wird
– Benzodiazepine erhöhen die Wechselwirkung zwischen der GABA und ihrem Rezeptor, und so resultiert bei einer gleichen Konzentration von GABA eine höhere Bindung an den Rezeptor => Erregbarkeit der Nervenzelle ist vermindert, auf äußere Reize nicht mehr rasch reagiert werden
– GABA- erge Synapsen kommen nur im ZNS vor

c) Nebenwirkung:
a. höhere geistig Funktionen werden in Mitleidenschaft gezogen: Initiative nehmen ab, es bildet sich eine Gleichgültigkeit und Wurschtigkeit aus
b. Persönlichkeit wird eingeengt, der Mensch ist geistig nicht voll Leistungsfähig
c. Reaktionsvermögen ist beeinträchtigt
d. Bei Gabe von Benzodiazepinen vor und während der Geburt, treten die Substanzen auf den Fetus über und können auf Grund ihrer zentralen Wirkung eine Muskelrelaxierung des Neugeborenen auslösen, die mit einer Apnoe verbunden ist
e. Bei Patienten mit Lebererkrankungen ist der Abbau der Benzodiazepine verzögert, so dass mit einer stärkeren und längeren Wirkung zu rechnen ist
f. Bei höherer Dosierung: Hauterscheinungen, Schwindel, Menstruationsstörungen, Appetitssteigerung mit starker Gewichtszunahme; Herz, Kreislauf und Atmung werden bei therapeutischen Dosen nicht beeinträchtigt

III. Psychopharmaka mit ,,psychotomimetischer“ Wirkung:

Halluzinogene:
g. Pharmaka zur Erzeugung psychischer Veränderungen, wie sie min Verlauf einer Psychose auftreten können
h. Dabei kann das Erleben traumhaften Charakter besitzen, die emotionale oder rationale Umsetzung des Erlebens erscheint dem Außenstehenden inadäquat
i. Natürlich vorkommende Halluzinogene wurden von Priestern (Schamanen) in Naturreligionen angewandt, um in einen Trance- Zustand zu gelangen
j. Beispiel für eine Halluzinogen ist LSD ( Lysergsäurediethylamid)


a) Wirkung:


k. im Rausch sieht die Person sich selbst zeitweise von innen und außen und beurteilt sich und ihren Zustand; ein erhabendes Gefühl des Eins- Seins mit dem anderen und dem Kosmos stellt sich ein
l. Zeitgefühl existiert nicht mehr; es gibt nur noch vorher und nachher
m. Dinge werden gesehen die es nicht gibt; Erfahrungen gemacht die nicht erklärbar sind => es wird von einem Bewusstseins- erweiternden Effekt gesprochen (Psychedelikum = Offenbarung)
n. Inhalte der Halluzinationen können evtl. gefährlich werden, da sich der Patient evtl. zu einer Gewalttat oder zu Selbstmord veranlasst.

d) Wirkungsmechanismus.
a. der Mechanismus der psychotomimetischen Wirkung ist unbekannt
b. da Halluzinogene wie LSD, Strukturmerkmale von Serotonin und Adrenalin aufweist, wurde eine Interferenz mit diesen im ZNS vermutet.

d) Nebenwirkungen:
– Entwicklung einer Abhängigkeit und dauerhafter psychischer Störungen als Folge der Einnahme nicht ausgeschlossen

Anhang: Schmerzmittel


Schmerz ist die Bezeichnung für ein Spektrum von Empfindungen, die nach ihrem Charakter höchst unterschiedlich sein können und nach ihrer Intensität von unangenehm bis unerträglich reichen.
Schmerzreize werden durch freie Nervenendungen aufgenommen. An der Schmerzleitung sind marklose Fasern und myelisierte Fasern beteiligt.
Der Schmerz kann pharmakologisch beeinflusst werden, indem die Projektion von im Thalamus eintreffenden Impulsen auf die sensible Hirnrinde gedämpft und damit das Schmerzempfinden abgeschwächt oder aufgehoben wird.
– diese Eigenschaften besitzen Opiate (Morphium), Neuroleptika und Analgetika (Schmerzmittel)

Schmerzempfindung kann beeinflusst werden:


_ Unterbrechung der Schmerzleitung (Lokalanästhetika)
_ Unterdrückung der Umschaltung von Schmerzimpulsen im Rückenmark (Opioide)
_ Hemmung der Schmerzwahrnehmung ( Opioide, Narkotika)
_ Beeinflussung der Schmerzverarbeitung ( Antidepressiva)

Der Autor hat leider keine Quellen genannt.

Direktor Schulnote.de

Ömer

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Biologie
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