Heinrich Böll

Heinrich Böll​ - ein Deutsch Referat

Dieses Referat hat Anna geschrieben. Anna ging in die 11. Klasse. Für dieses Deutsch Referat hat wurde die Note 2 vergeben.
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Biographie Heinrich Böll, Inhaltsangaben: Die verlorene Ehre der Katharina Blum, Wanderer, kommst du nach Spa…, Der Zug war pünktlich, Historische Hintergründe

Heinrich Böll (1917-1985)


Biographie:

Er wird am 21. Dezember 1917 in Köln als Sohn eines Bildhauers und Schreinermeisters geboren. Er tritt nach der Reifeprüfung als Lehrling im Buchhandel ein, studierte ein Semester Altphilologie und nimmt von 1939 bis 1945 am Krieg teil. Er kehrte 1945 aus amerikanischer Gefangenschaft nach Köln zurück. Seit 1951 wirkte er als freier Schriftsteller in Deutschland.

Er veröffentlicht Erzählungen, Romane, Hör- und Fernsehspiele und ist auch als Übersetzer aus dem Englischen tätig. 1972 erhält er den Nobelpreis für Literatur. Er stirbt am 16. Juli 1985 in Kreuzau.

1972: Nobelpreis für Literatur

Heinrich Böll setzt sich in seinen ersten Werken mit dem Krieg und dessen Auswirkungen auseinander. Der Haß auf den Krieg und die heftige Ablehnung von Nazidiktatur und Militär ist Böll schon früh von den Eltern eingeimpft worden. Der Vater erzählte seinen Kindern, wie er sich im 1. Weltkrieg als Landsturmmann auf der Fahrt in die Hölle von Verdun mit einer simulierten Blinddarmentzündung aus dem Zug tragen ließ. Auch der Sohn entfernte sich in den letzten Kriegsmonaten von der Truppe – er erlebte den Zusammenbruch der Wehrmacht als Deserteur.



Heinrich Böll teilte mit Wolfgang Borchert die Erschütterung der Kriegsgeneration; alle Schlachten, die gewonnen und verloren, waren „Gemetzel“; er klagt, daß „für die Toten die Blumen nicht mehr blühen, kein Brot mehr für sie gebacken wird, und der Wind nicht mehr für sie weht…..“



Für Böll war mit dem Ende des Gemetzels der Krieg nicht vorüber. In seiner ersten veröffentlichten Erzählung „Die Botschaft“ steht: „Da wußte ich, daß der Krieg niemals zu Ende sein würde, niemals, solange noch irgendwo eine Wunde blutet, die der Krieg schlug.“



Die späteren Werke sind eine schonungslose Kritik der ersten Nachkriegsjahre. Er richtet sich gegen die Sattheit und Lauheit all derer, die vergessen können und wollen. Kritisch durchleuchtet er politische und gesellschaftliche Gegebenheiten. Der gläubige Katholik Böll richtet seine Kritik auch gegen die katholische Kirche.

Er war Moralist, dessen Wurzeln in seinem Glauben lagen.
Werke:

Der Zug war pünktlich. 1949 (Roman)

Erzählt das erbarmungslose Ausgeliefertsein des einzelnen an das Massenschicksal der Krieges, dem man nicht entrinnen kann. Geschildert wird die Verzweiflung von Fronturlaubern, die nach einer fahrt von drei Tagen und Nächten der Zug wieder pünktlich zurück in den Hexenkessel des Fronteinsatzes führt.

Wanderer, kommst du nach Spa… 1950 (Sammlung von 25 Kurzgeschichten)

Zeigt die seelische Not eines „Landsers“, Heimkehrers, Kriegsbeschädigten und ähnlich von Not und sorge geschlagener Menschen vor und nach 1945, die durch die Teilnahms- und Lieblosigkeit der Mitmenschen in grenzenlose Verlassenheit und Vereinsamung gestürzt werden.

Wo warst du Adam? 1951 (Roman)

Und sagte kein einziges Wort. 1955. (Roman)

Das Brot der frühen Jahre. 1953. (Roman)

Haus ohne Hüter. 1954. (Roman)

Doktor Murkes gesammeltes Schweigen. 1958 (Satirische Sammlung)

Billard um halbzehn. 1959 (Roman)

Ansichten eines Clowns. 1963 (Roman)

Ende einer Dienstfahrt. 1966. Erzählung)

Gruppenbild mit Dame. 1971 (Roman)

Die verlorene Ehre der Katharina Blum. 1971 (Erzählung)

Hörspiele:
Die verlorene Ehre der Katharina Blum:
Form, Gattung; Ort und Zeit:

Die Erzählung setzt sich aus 58 kurzen Berichten zusammen, die sich an genaues Zeit- und Ortsgeschehnis halten. Die Geschichte wird Schritt für Schritt rekonstruiert, der Erzählbericht entfal­tet allmählich ein ganzes Panorama von Personen und menschlichen und sozialen Beziehungen. Betrachtet man den Titel, so ist dessen Schwerfälligkeit eine plakative Lesehilfe. Auffallend ist auch das Motiv der „Ehre“ im Titel. Ehre und Ehrverlust ist eines der zentralsten Motive der bürgerlichen deutschen Literatur (Lessing, Goethe, Hauptmann)

Eine weitere Lesehilfe ist Bölls Hinweis am Beginn der Erzählung. Er meint konkret die „Bildzeitung“.
Personen:

Katharina Blum: bescheiden, hilfsbereit, gutgläubig, sehr redegewandt, Klug, interessant, spontan, verläßlich, korrekt und nie egoistisch.

Werner Tötges: Journalist, der, wenn es notwendig sein sollte, über Leichen gehen konnte.

Dr. Blorna: gutsituierter Anwalt, der sieht, wie schnell man den Boden unter den Füßen verlieren kann.

Sträubleder: der fragliche, Herrenbesuch, der helfen möchte, aber um seine Karriere zittert.
Inhalt:

Katharina Blum, eine junge, hübsche Haushälterin, die in ihrer Umgebung „die Nonne“ genannt wird, weil sie Zudringlichkeiten von Männern verabscheut, ist die Zentralfigur dieser Erzählung.

Zur Karnevalszeit lernt sie auf einer Party ihrer Patentante Else Wol­tersheim den jungen Ludwig Götten kennen und lieben, ohne zu wis­sen, daß er ein von der Polizei gesuchter radikaler Rechtsbrecher ist. Die Wohnung der Else Woltersheim ist von der Polizei, die Götten überwacht, umstellt. Katharina, deren Liebe zu Götten ihr zum Verhängnis wird, nimmt ihn in ihre Wohnung mit, wo Götten die Nacht verbringt. Am nächsten Morgen dringt die Polizei in Kathari­nas Wohnung ein, doch Götten ist nicht mehr hier. Katharina hat ihm zur Flucht verholfen, als sie von ihm erfahren hat, daß er ein Bundeswehrdeserteur ist und sich ins Ausland absetzen will.

Katha­rina Blum wird aufs Kommissariat gebracht und dort von Kommissar Beizmenne und dessen Assistent Moeding verhört. Sie erfährt, daß Ludwig ein gesuchter Bandit ist, der des Mordes und anderer Ver­brechen verdächtigt sei. Aus ihrem Verhör geht hervor, daß sie eine unglückliche Kindheit verlebt hat; ihr Vater, der ein Kommu­nist war, starb, als sie noch ein Kind war, ihre Mutter ist schwerkrank und ihr Bruder Kurt büßt eine Freiheitsstrafe im Ge­fängnis ab. Ebenso erfährt man, daß sie von ihrem Ehemann Wilhelm Brettloh schuldig geschieden ist, den sie wegen seiner Zudring­lichkeiten verlassen hatte. Nun arbeitet sie beim Ehepaar Blorna, mit dem sie sehr gut befreundet ist. Auch Katharinas Nachbarn wer­den verhört und es kommen gewisse Herrenbesuche zur Sprache. Beiz­menne beschuldigt Katharina, Götten schon seit zwei Jahren zu ken­nen und mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Als die Blornas aus der Zeitung erfahren, was geschehen ist, brechen sie ihren Winter­urlaub ab, um Katharina zu helfen. Katharina wird zum Opfer der Massenmedien, doch vor allem des Boulevardblatts „Die Zeitung“. Beiz­menne beschlagnahmt einen kostbaren Ring, der, wie sich später herausstellt, von Alois Sträubleder stammt.

Katharinas Telefon wird abgehört, und so erfährt die Polizei vom Anruf Göttens, der sich in Sträubleders Zweitvilla befindet, von der Katharina einen Schlüssel besitzt. Sträubleder, der sich als der „Herrenbesuch“ herausstellt, hat ihn Katharina selbst überge­ben, damit sie ihn dort besuchen kann. Doch Katharina selbst will von dem aufdringlichen Sträubleder nichts wissen.

Katharina erhält anonyme Anrufe, sie erhält eine Anzahl von Brie­fen, und auch die Hausbewohner vermeiden jeden Kontakt mit ihr. Schließlich vereinbart Katharina mit dem Journalisten Tötges ein Interview. Inzwischen hat Beizmenne Götten festgenommen, und Katha­rinas Mutter ist nach der Krebsoperation gestorben. Nachdem Katha­rina die Ausgabe der Sonntagszeitung gelesen hat, ist sie zu allem entschlossen. Als Tötges zum vereinbarten Interview in ihrer Woh­nung eintrifft, erschießt sie ihn aus Rache. Katharina legt bei Moeding ein Geständnis ab und ist glücklich, bei ihrem lieben Lud­wig zu sein.
Sprache:
Aussage:

Eine junge, unbescholtene Frau wird auf Grund von Zeitungsberich­ten zur Mörderin. Ihre Tugend wird durch das korrupte und verlo­gene Instrument der Boulevardzeitung verletzt. Aber sie trifft auf gestärktes Selbstbewußtsein der Frau, die sich nach anfänglicher Erschütterung zu wehren versteht, notfalls mit Gewalt.

„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ ist eine Anklageschrift Heinrichs Bölls, die sich gegen perfide Praktiken des Boulevardjournalismus richtet. Das Buch erschien 1974, Böll „rächt“ sich damit an der ihm verhaßten „Regenbogenpresse“. Dies hat ihm be­denkliche Kritiken eingebracht.




Wanderer, kommst du nach Spa…

Sammlung von 25 Kurzgeschichten

Hier werden die seelische Not und Sorge geschlagener Menschen vor und nach 1945 aufgezeigt, die durch die Teilnahms- und Lieblosigkeit der Mitmenschen in grenzenlose Verlassenheit und Vereinsamung gestürzt werden.

Die folgende Erzählung hat dieser Sammlung den Namen gegeben.
Inhalt:

Der Ich-Erzähler, ein schwerverwundeter junger Soldat wird in ein Lazarett eingeliefert. Während man ihn durch Korridore und Treppenaufgänge trägt, erkennt er nach und nach an Türschildern, Bildern und Statuen sein altes Gymnasium wieder, in dem er noch vor einem Vierteljahr die Schulbank gedrückt hat. (S.36)

Schließlich landet er im Zeichensaal, wo es nach Jod, Scheiße, Mull und Tabak riecht. Der Erzähler meint zu träumen, und er sucht nach Beweisen, daß er wirklich in seiner Schule ist. Schließlich erfährt er, daß er sich tatsächlich in seiner Heimatstadt, dem brennenden Bendorf befindet. Als er spürt, daß er die Arme und ein Bein nicht bewegen kann, beginnt er zu schreien. Der Arzt sagt ihm, daß er gleich an die Reihe komme. (S.41)

Während er zur Operation vorbereitet wird, erkennt er in seiner eigenen Handschrift den Satz an der Wandtafel: „Wanderer kommst du nach Spa…“ (S.42)

Bevor dem Verwundeten das Bewußtsein für immer entschwindet, sieht er, daß er keine Arme mehr hat und nur noch ein Bein..

Das Ende der Kurzgeschichte enthüllt: hier berichtet ein Toter die Geschichte seines Sterbens.

Symbolhafte Bedeutung hat das Wort des Simonides über den Opfertod des Leonidas und seiner Krieger an den Thermopylen: „Wanderer, kommst du nach Sparta, erzähle dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.“

Obwohl der Krieg der Spartaner gegen den Perserkönig Xerxes schon längst verloren war, wurde bis auf den letzten Mann weitergekämpft.

Böll wollte die Parallelen aufzeigen – auch Deutschland hatte den Krieg schon verloren – doch die Machthaber wollten nicht kleinbeigeben und so wurden noch Kinder in den Krieg geschickt.



Der Spruch enthält in seiner verstümmelten Form eine bittere Anklage gegen den Geist der „guten, alten humanistischen Gymnasien“ und die Bildungstradition des deutschen Bürgertums.

Der Tod „für das Vaterland“ wird an einem Ort erlitten, wo es nach Jod und Scheiße stinkt.

„Dulce et decorum est pro patria mori.“ „süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben“ prangt über den Toren der humanistischen Gymnasien.



Das KREUZ blieb , trotz aller Bemühungen es zu entfernen, zurück, bräunlich und deutlich auf dem Rosa der Wand. Es erinnert weiterhin an den Todesschrei Christi, der den Opfertod erlitt, damit Frieden und Nächstenliebe unter den Menschen herrsche.



Das SCHREIEN ist symbolhafter Ausdruck der Hilflosigkeit und Not der Menschen im Krieg.

Am Ende der Erzählung steht der Schrei des Entsetzens, als er entdeckt, wie grausam er verstümmelt ist.

Es ist auch ein Zeichen des Schmerzes und der Trauer über die verlorene Jugend.



Der SCHULHAUSMEISTER steht für die MENSCHLICHKEIT – bei ihm tranken sie einst in der Pause Milch, in seinem engen Stübchen geierte nicht die Schulordnung, sondern hier durften sie sogar rauchen“!

Der alte Mann ist in der ganzen Geschichte, neben den durch das unpersönliche „sie“, „der Arzt“ oder „einer, der neben mir lag“ bezeichneten Figuren, der einzige Mensch, der einen Namen trägt: Birgeler.

Der Schwerverwundete erkennt ihn im Augenblick seines Todes. Im Sterben wird er mit seiner letzten Bitte „MILCH“ noch einmal zum Kind.

Zeittafel

21.12.1917: geboren in Köln, als Sohn eines Bildhauers

1928-1937: Gymnasium , Abitur

1937-1938: Buchhändlerlehre

1938-1939: Reichsarbeitsdienst

1939: Im Sommersemester Studium der Germanistik und klassischen Philologie an der

Universität Köln.-

Im Spätsommer Einberufung zur Wehrmacht

1939-1945: Infanterist im Zweiten Weltkrieg

1945: Heimkehr nach Köln

1949: „Der Zug war pünktlich“

1951: Preis der Gruppe 47

1970-1972: Präsident des PEN Bundesrepublik Deutschland

1971-1974: Präsident des internationalen PEN

1972: NOBELPREIS für LITERATUR

1980: Unterzeichnung des „Krefelder Appells“ gegen den Nachrüstungsbeschluß der NATO vom 12. Dezember 1979

1981: Teilnahme an der Friedensdemonstration in Bonn am 10. Oktober

1985: starb an den Folgen einer Gefäßerkrankung
Trümmerliteratur:

die Literatur der Generation, die 1945 nach der „Stunde Null“ aus den Trümmern, die

das Dritte Reich hinterlassen hatte, einen neuen Anfang suchte.

Hauptvertreter: Wolfgang BORCHERT

Heinrich BÖLL


Gruppe 47:

Kreis von Schriftstellern und Publizisten, die sich die Sammlung und Förderung der

Nachkriegsliteratur zum Ziel setzten.
Autoren:

G. EICH, H. BÖLL, I. AICHINGER, I. BACHMANN, M. WALSER, G. GRASS, S. LENZ, P. RÜHMKOPF u. a.



HEINRICH BÖLL begann mit Kurzgeschichten, in denen das Leid und die Ausgeliefertheit des kleinen Mannes im Krieg, die Vergewaltigung des Menschen durch die Apparaturen der Macht angeprangert wird.

Aber auch die Gleichgültigkeit der Saturierten und Arrivierten, die Heuchelei von Institutionen, deren Aktivismus nur zu oft eine Alibihandlung darstellt.

Seine Kurzgeschichten, Erzählungen, Romane kreisen um zwei Themen:

· die Sinnlosigkeit des Krieges (z.B.: Andreas, Feinhals, Olina…)

· das äußere und innere Elend der Nachkriegszeit

Heinrich BÖLL schreibt in seinem Aufsatz „Bekenntnisse zur Trümmerliteratur“ 1950 :

…Wir haben uns gegen die Bezeichnung „Trümmerliteratur nicht gewehrt, weil sie zu Recht bestand: tatsächlich, die Menschen, von denen wir schrieben, lebten in Trümmern, sie kamen aus dem Krieg, Männer und Frauen in gleichem Maße verletzt, auch Kinder..

Wir schreiben die Wahrheit.“



Immer wieder prangert Böll die grausame Härte und den Wahnsinn des Krieges an, die sinnlose Hinopferung, die man fälschlicherweise Heldentum nennt. Der Krieg wächst bei Böll in die Nachkriegszeit hinein. Die Kriegsfolgen sind nicht minder schrecklich als der Krieg selbst. Sie zersetzen die Menschen, stellen alle bisher gültigen Werte in Frage.

Bölls Menschen stellen zwar die Misere des Alltags bloß, können sie aber nicht beseitigen.

Der k l e i n e Mann als Opfer erscheint auch in den Romanen und Kurz­ge­schich­ten, welche die Folgen des Krieges darstellen ( z.B.: „… und sagte kein einziges Wort“ – Wohnungsnotproblematik; „Lohengrins Tod“)



ANGST und HOFFNUNGSLOSIGKEIT

Das vorherrschende Gefühl des Menschen im Krieg ist die Angst.

„Ich habe Angst“ (Der Zug war pünktlich) ist ein Bekenntnis, das in vielen Varianten wiederkehrt. Angst vor der schaurigen Gegenwart des Krieges – auch die Zukunft bietet keine Hoffnung.

Die Soldaten fahren an die Front in der Gewißheit, daß es kein Entrinnen vor dem Tode mehr gibt. Das Ende des Krieges befreite die Menschheit noch lange nicht von den Ursachen neuer Ängste.

Nach Böll: „Eine christliche Welt müßte eine Welt ohne Angst sein, und unsere Welt ist nicht christlich, solange die Angst nicht geringer wird, sondern wächst. Nicht die Angst vor dem Tode, sondern die Angst vor dem Leben und den Menschen, vor den Mächten und Umständen, Angst vor dem Hunger und der Folter. Angst vor dem Krieg; die des Atheisten vor dem Christen, der Christen vor den Gottlosen; eine ganze Litanei von Ängsten:“
Der Zug war pünktlich

Dieser Roman ist Bölls erste veröffentlichte größere Prosaarbeit.
Inhalt:

Der Soldat Andreas fährt im letzten Kriegsjahr mit zwei anderen Soldaten, dem Blonden und dem Unrasierten, im Fronturlauberzug Paris-Czernowitz quer durch Deutschland an die Ostfront. Schon beim Abschied überfiel ihn die Gewißheit des nahenden Todes.

Durch Trinken und Kartenspiel versuchen die Soldaten, ihre Verzweiflung und Todesangst zu betäuben. „Niemals mehr werde ich den Rhein sehen, ….“

Zwischen Przemysl und Lemberg fährt der Zug durch Partisanengebiet und es gibt nächtliche Aufenthalte. In Lemberg versäumen die Soldaten den Anschlußzug und gehen in ein Lokal. „Das Leben ist schön“, denkt Andreas, „zwölf Stunden vor meinem Tod muß ich einsehen, daß das Leben schön ist, das ist zu spät.“

Der Blonde und der Unrasierte führen Andreas in ein Bordell. Er begegnet der Warschauer Musikstudentin Olina, die unter der deutschen Besetzung schwer gelitten hat und die Partisanen über alles informiert, was sie von den deutschen Bordellbesuchern erfährt.

Die junge Polin, die sich in den deutschen Soldaten verliebt, klagt: „weißt du, das ist furchtbar, daß alles so sinnlos ist. Überall werden nur Unschuldige ermordet. Überall. Auch von uns. Irgendwie habe ich das immer gewußt.“

Mit dem Wagen, den ein General schickt, um Olina abzuholen, fliehen sie und die drei Soldaten ins Gebirge. Olina bekennt: „Auch ich bin gerichtet. Auch ich habe mein Vaterland verraten. weil ich diese Nacht bei dir blieb, statt den General auszuhorchen..“ Bei der Ortschaft Struyi wird der Wagen in voller Fahrt von einem Tiefflieger getroffen. Andreas und Olina sterben im Wagen des Generals.



In diesem Werk läßt Böll seinen eigenen Katholizismus einfließen. Der Soldat Andreas betet während der ganzen Fahrt (Vaterunser, Ave Maria…..)

Der Betzwang hat mit seinen Todesahnungen zu tun und mit den vielerlei Sünden, die er zu bereuen hat. In seine Gebete schließt er alle ein, auch die „ungläubigen Juden“ und seine Kameraden. —-bis zur ganzen Menschheit.



Typische Elemente der Erzählung sind die fatalistischen Todesahnungen eines hochsensiblen jungen Menschen, der weiß, daß es aussichtslos ist, einem vorbestimmten Schicksal zu entrinnen. Sie erzählt das erbarmungslose Ausgeliefertsein des einzelnen an das Massenschicksal des Krieges.



Die Gebete sind ein Streben nach Reue., und in weiterer Folge eine Entfaltung der Menschlichkeit. Im Krieg jedoch ist eine Entfaltung der Menschlichkeit unmöglich und muß daher unweigerlich zum Tode führen.

STRUYI: Dieser Ortsnamen klingt wie ein Todesurteil (ähnlich dem Wort „Bjeljogorsche“ aus Wo warst du, Adam?)


Wo warst du Adam

Der Titel des Romans stammt aus der Aufzeichnung von Theodor Haeckers „Tag- und Nachtbüchern“ (1940)

„Eine Weltkatastrophe kann zu manchem dienen.

Auch dazu, ein Alibi zu finden vor Gott.

Wo warst du, Adam? „Ich war im Weltkrieg.“



ADAM ist der MENSCH schlechthin.



Die erste größere Arbeit des Autors, die er selbst als Roman bezeichnet, ist der Anlage nach eher eine Folge, eine Ringkomposition von n e u n Kurzgeschichten, die durch eine Art Leitgestalt, den Soldaten und Architekten Feinhals, der in den einzelnen Kapiteln abwechselnd als Haupt- oder Nebenfigur erscheint, zusammengehalten wird.



SCHAUPLATZ: ist der nördliche Balkan währen des letzten Jahres des zweiten Weltkrieges.

Das Kriegsgeschehen fordert unzählige sinnlose Menschenopfer.

Die Absicht des Romans, den Krieg zu entmythologisieren und als Seuche zu enthüllen, deutet das zweite Motto an, das aus „Flug nach Arras“ von Antoine de SAINT-EXUPERY stammt

„…der Krieg ist kein richtiges Abenteuer, er ist nur Abenteuer-Ersatz.

Der Krieg ist eine Krankheit. Wie der Typhus.

Im Wechsel der Schauplätze, die von Kapitel zu Kapitel weiter nach Westen verlagert werden, spiegelt sich das unaufhaltsame Näherrücken des Zusammenbruchs.

Der zeitliche Ablauf des Geschehens wird überwiegend räumlich und damit optisch vergegenwärtigt.

Das Thema ist nicht eigentlich der Krieg, sondern der Mensch, der einzelne Mensch unter den besonderen Bedingungen des Krieges. Böll zeichnet den Weg des Menschen im Kriege, in einem sinnlosen Geschehen, dem er hoffnungslos preisgegeben ist.

Den Weg des Generals, des Obersten, des Feldwebels, des Unteroffiziers, des Landsers Feinhals. Er zeichnet auch den Weg der Randfiguren des Krieges, der Sanitäter, der Schwestern, der Ärzte, der Notleidenden und Verfolgten.

I. KAPITEL:

Ein müder General mit schlaffem Gesicht und dem dünnlippigen Mund eines Mannes der Pech hat, besichtigt seine Division. Seine Brust ist voller Orden, aber sein Hals, wo die höchste Auszeichnung hingehört, „das Ritterkreuz“ , ist leer. Alle die tausend angetretenen Soldaten spüren „Trauer, Mitleid, Angst, und eine geheime Wut. Wut auf einen Krieg, der schon viel zu lange dauerte, viel zu lange, als daß der Hals eines Generals noch ohne den gehörigen Schmuck hätte sein dürfen….“ Stunden später wird der Soldat Feinhals bei einem Angriff verletzt und in ein Lazarett eingeliefert.

II. KAPITEL:

Der verletzte Oberst Bressen simuliert einen Gehirnschaden und wird in ein Wiener Lazarett verlegt. Man erfährt die Geschichte eines gewissenlosen Karrieristen und Gesinnungslumpen.. Nun da der Krieg offensichtlich verloren ist, verkriecht er sich im Lazarett. Das Schicksal seiner Soldaten, dieser „Mistbande“ ist ihm völlig gleichgültig und das Ritterkreuz baumelt bereits an seinem Hals. Der Widerwille, mit dem Bressen auf das Bild der Heiligen Madonna blickt, enthüllt seinen Charakter vollends: in der Gottesmutter haßt er alles was rein, keusch und ernst ist; sie symbolisiert eine Welt, die völlig anders ist als die seine, wo Sünde und Gemeinheit triumphieren.

III. KAPITEL:

Lazarett in einer Landwirtschaftsschule (ungarisches Dorf). Es gibt nur noch Schwerverwundete, alle Transportfähigen sind bereits abtransportiert. Alois Schneider, Feldwebel, ertränkt den Stumpfsinn im Schnaps.Dr. Schmitz, ein Unteroffizier, besorgt die Hauptarbeit und wagt sich auch anschwierige Operationen, während der Chefarzt täglich in die Puszta reitet. Im Lazarett liegt frisch operiert ein bewußtloser Hauptmann, der in immer gleichen Abständen das Wort „Belgogorsche“ wiederholt. Schneider Schmitz und der Lazarettschreiber Feinhals haben den Befehl mit einem Nachkommando das Lazarett zu verteidigen. Flüchtlinge suchen Zuflucht im Lazarett. Als die erste russischen Panzer in der Nähe auftauchen, geht ihnen Schneidr mit einer Rotkreuzfahne entgegen. Dabei tritt er auf einen Blindgänger, der schon lange weggeräumt werden sollte. Die Panzer eröffnen das Feuer auf das Lazarett. Zu spät merken sie daß von der anderen Seite kein einziger Schuß gefallen war.

Hier wird das große Sterben, die Sinnlosigkeit des Zufallstodes geschildert.

Auch der Hausmeister stirbt einen sinnlosen Tod. Der Geranientopf, den er in ohnmächtiger Wut dem mit Fluchtgepäck überladenen Luxuswagen seines Direktors nachwirft, zerschellt am Boden. Die Scherben bilden einen merkwürdigen Kranz, in dessen Mitte eine Geranie steht. Dieses Gebilde symbolisiert den nahen Tod des alten Mannes. Der Südflügel des Gebäudes, wo der Hausmeister sich in der Wohnung des Direktors eingerichtet hatte, bricht unter den Granateinschlägen der Sowjetpanzer zusammen.

Der Tod des Feldwebels Schneider steht parabelhaft für das Sterben von Millionen Soldaten. Der schwerverwundete Hauptmann steht als Kontrastfigur zu dem Oberst der als Simulant beizeiten in die Heimat abtransportiert wurde. Er hatte nie eine militärische Karriere im Sinn. Und nun ist sein Leben zerstört und er kann nur mehr ein Wort stammeln, welches niemand zu deuten vermag.

Im zweiten und dritten Kapitel des Romans tauchen die Offiziere wieder auf, die im ersten Kapitel mittelbare oder unmittelbare Vorgesetzte des Landsers Feinhals waren. Durch seine Figuren wird der Roman, der aus relativ selbständigen Episoden besteht, zusammengehalten.

IV. KAPITEL:

In diesem Kapitel steht Oberleutnant Dr. Greck im Mittelpunkt. Man erfährt von seinem Magenleiden und von seiner Vergangenheit. ; von dem Haß, welchen er auf seinen Vater hat, und von seiner herrschsüchtigen Mutter.

Böll zeichnet in dem Oberleutnant Dr. Greck einen Repräsentanten des deutschen Bildungsbürgertums, das Vaterlandsliebe, Ehrbarkeit, hohe Allgemeinbildung und berufliche Tüchtigkeit zu den höchsten Tugenden zählte.

Der Charakter des Dr. Greck steht in auffälligem Kontrast zu diesen traditionellen Leitbildern: ein kranker Geist in einem kranken Körper. Es fehlt ihm an „Haltung“.

Er ist voller Angst wegen einer Uniformhose, die er an einen Juden verkauft hat. Er fürchtet die strafrechtlichen Folgen (Dr. Greck ist Jurist). Seine sexuellen Bedürfnisse befriedigt er seit jeher mit Prostituierten, da er zu normalen Liebesbeziehungen nicht fähig ist. Oberleutnant Dr. Greck ist in jeder Beziehung, als Mensch, als Akademiker und als Soldat , eine erbärmliche Erscheinung.

V. KAPITEL:

Der Soldat Feinhals verrichtet seinen Dienst in der Krankensammelstelle Szentgyörgy, die im Gebäude eines Mädchengymnasiums untergebracht ist. Dort lernt er die jüdische Lehrerin Ilona, eine fromme Katholikin, kennen. Sie verlieben sich ineinander.

Als Feinhals den Marschbefehl an die Front erhält, entschließen sie sich, gemeinsam zu fliehen und unterzutauchen. Sie besteht nur darauf, noch einmal ihre Familie zu besuchen, die im Ghetto lebt. Feinhals begleitet Ilona bis ans Ghetto, wo er in einer Gaststätte auf sie warten soll. Nach Stunden voller Angst um Ilona wird er von einer deutschen Militärstreife aufgegriffen und in einen r o t e n Möbelwagen verladen, der bereits voller Leute ist.



Im Mittelpunkt des Romans, nach Kapiteln und Druckseiten, steht die Liebesbeziehung zwischen dem deutschem Soldaten Feinhals und der ungarischen Jüdin Ilona. In diesem Kapitel entwickelt sich Feinhals vom Statisten zum Protagonisten des Romangeschehens. Er wird vom passiv Leidenden und Befehle Ausführenden zum aktiv Handelnden.

VI. KAPITEL:

Der rote Möbelwagen rollt aus der Stadt. Auf der Landstraße wird er von einem g r ü n e n Möbelwagen überholt, dessen Dachluke mit Stacheldraht vernagelt ist. Der rote Möbelwagen hält in einem Dorf. Aus allen Richtungen hört man Gefechtslärm. Feinhals begegnet dem Oberleutnant Dr. Greck, dessen Brust nun ein Ordensband ziert.

Auszeichnungen werden verliehen – Dr. Greck soll das Eiserne Kreuz I. Klasse überreicht bekommen. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Dr. Greck wird neuerlich von einer äußerst schmerzhaften Darmkolik heimgesucht. Er hockt nebeneiner Jauchegrube und hört, daß er gerufen wird. Tränen laufen ihm über das Gesicht Eine Granate schlägt in die Jauchegrube ein, und die widerliche Brühe durchtränkt ihn völlig. Bei dem Versuch , sich kriechend zu retten, wird er von einer einstürzenden Scheune erschlagen.

Wohl ein halbes Dutzend mal wird das Wort „Scheiße“ in diesem Kapitel verwendet.

Die Jauche, die den ordenssüchtigen Oberleutnant durchtränkt, ist ein Dingsymbol für den von Millionen Menschen unter der allgemein verständlichen Chiffre „Scheiße“ verfluchten Krieg:.

Auffällig ist auch die Symbolik, die in den Farben der Möbelwagen liegt. Den Farben kommt eigene Aussagekraft zu, da sie fast immer eine moralische Qualität vermitteln sollen: dem „positiven“ Grün (Ilona und Hedwigs Mantel in „Wo warst du, Adam?“ bzw. Olinas und Maries Kleid in „Der Zug war pünktlich“) steht das negative Rot gegenüber.

Der grüne Möbelwagen transportiert die schuldlos Leidenden in den Tod. Sie erwarten Vergebung ihrer Sünden und Wiederauferstehung. Die im roten Möbelwagen fahren auf Geheiß des Büffels (Obrigkeit) in den Tod, ihnen droht ewige Verdammnis.

VII. KAPITEL:

Der grüne Möbelwagen fährt die ganze Nacht und kommt am nächsten Morgen in einem KZ an. Der Lagerkommandant, SS-Obersturmführer Filskeit, läßt die Gefangenen zum Vorsingen vorführen. Er hat einst den Kirchenchor seiner Pfarre geleitet und im KZ aus den Gefangenen einen Chor gebildet. Als erste muß Ilona vorsingen, und sie singt die Allerheiligenlitanei. Filskeit erkennt ihren tiefen Glauben und ihre Schönheit läßt ihn seine eigene Unzulänglichkeit erkennen.

„Katholische Juden? dachte er – ich werden wahnsinnig. Er rannte ans Fenster und riß es auf: draußen standen sie und hörten zu, keiner rührte sich. Filskeit spürte, daß er zuckte, er versuchte zu schreien, aber aus seinem Hals kam nur ein heiseres tonloses Fauchen, und von draußen kam diese atemlose Stille, während die Frau weitersang: Sancta Dei Genitrix….er nahm mit zitternden Fingern seine Pistole, wandte sich um schoß blindlings auf die Frau, die stürzte und zu schreien anfing – jetzt fand er seine Stimme wieder, nachdem die ihre nicht mehr sang: „Umlegen“, schrie er, „alle umlegen, verflucht – auch den Chor – raus mit ihm – raus aus der Baracke-„, er schoß sein ganzes Magazin leer auf die Frau, die am Boden lag und unter Qualen ihre Angst erbrach….

Draußen fing die Metzelei an.

Die Liturgie ist ein Angriff des Glaubens und der Menschlichkeit auf die faschistische Barbarei. Filskeit leidet unter dem offensichtlichen Widerspruch zwischen seiner äußeren Erscheinung und den proklamierten physischen Merkmalen der „germanischen Herrenrasse“, Böll führt die inhumane Theorie von der „Minderwertigkeit der jüdischen Untermenschen“ ad absurdum, indem er das verschwommene nazistische Frauenideal „Glaube und Schönheit“ aufgreift, um Ilonas Wesen und Erscheinung zu charak­terisieren. Sie verkörpert, im Gegensatz zu Filskeit, „Schönheit und Größe und rassische Vollendung, verbunden mit Glauben“

Durch Ilona wird Filskeit die Unhaltbarkeit der im Dritten Reich herrschenden Rassetheorie, mit der die Weltanschauung des Nationalsozialismus stand und fiel, bewußt. Die Erkenntnis, daß ein jüdischer „Untermensch“ von einem tiefen Glauben beseelt sein kann, ist ihm unerträglich.

VIII. KAPITEL:

Auf dem Weg zur Front wird Feinhals Zeuge sinnloser Tätigkeiten: Brücken, die einem geordneten Rückzug dienen sollen, werden mit aller Genauigkeit und Sorgfalt erbaut, und als sie fertig sind, wieder gesprengt. Die allgemeine Auflösung schreitet immer weiter.

Im ersten Teil des Kapitels werden die Reflexionen einer einfachen slowakischen Frau vorgestellt. In ihren Augen besteht der Krieg nur aus sinnlosem Müßiggang: sinnlos hocken die Soldaten auf dem Dach und starren mit dem Fernglas in die Wälder, lungern herum, trinken Bier, spielen Karten und spazieren mit ihrem Gewehr durch die Gegend. Und für dieses Nichtstun werden sie nach ihren Begriffen mit viel zu viel Geld belohnt.

Auch der gebildete Feinhals empfindet den quälenden Stumpfsinn des Krieges. Kaum hat er das erstemal mit dem Fernglas den Ausguck bezogen, schmerzt ihn die Stille und er hat das Gefühl, schon jahrelang dort zu hocken. Er distanziert sich auch von den anderen Soldaten.

Die Brücke von Berczaba symbolisiert die ganze Sinnlosigkeit des Krieges. Kaum aufgebaut, wird sie wieder zerstört. (Dieses Kapitel wurde von Böll später etwas verändert und als einzelne Kurzgeschichte veröffentlicht)

Gegenüber den Soldaten, die vor Stumpfsinn und Langeweile regelrecht verkommen, ist die Bautruppe des Bauführers Deussen ein Ausbund an Tüchtigkeit und fachlicher Kompetenz.

Doch so planmäßig und wohlorganisiert ihr Tun auch ist, letzten Endes unterliegt auch dieses der alles beherrschenden, unausweichlichen Sinnlosigkeit des Krieges.

Über Feinhals erfährt man jetzt auch etwas mehr: er ist ein religiöser Mensch: „er betet auch abends im Bett.“ Ilona hatte er bekannt, daß er nicht in die Kirche gehen konnte, weil die Gesichter und die Predigten der meisten Priester unerträglich seien. “ Ilona hatte empört reagiert und ihn aufgefordert, viel zu beten: „Man muß beten, um Gott zu trösten.“

IX. KAPITEL:

Feinhals findet den Weg in die Heimat, kommt an den Rhein, aber damit unmittelbar vor die Front der von Westen her anrückenden Amerikaner. Er fällt, von einer einzelnen verspäteten Granate getroffen, an der Schwelle seines Vaterhauses (nach einem lauten Schrei); bedeckt von einem riesigen Tischtuch der Mutter, das zum Zeichen der Kapitulation als weiße Fahne vom Giebel herabhing.

Das Schlußkapitel macht noch einmal die grundsätzliche Haltung des Autors gegenüber dem Krieg deutlich. Er schildert die Gewissenlosigkeit der Verantwortlichen, die kaltblütige Mordlust der Schergen des Regimes, die Trauer der Mütter und Frauen um die für unsinnige Kriegsziele geopferten Söhne und Männer (Familie Finck).



Der Krieg hat die Menschen ihrer Kraft beraubt. Das Kind der Familie Finck spielt mit gleichgültigem Blick und müden Bewegungen, die Witwe wäscht mit gleichgültigem Blick und müden Bewegungen ihre Kartoffeln, auch die amerikanischen Soldaten, „sahen ziemlich müde aus“. Nur der General wirkt seltsam erfrischt.(=> Hindenburg =>“Badekur“). Ihn bedrückt die Niederlage des Vaterlandes und der Tod seiner Soldaten nicht im geringsten. Für ihn ist die Hauptsache, daß er endlich den ersehnten Orden besitzt.



Böll führt die Heldenphrase ad absurdum. Die Soldaten sterben nicht den „Heldentod“, sondern sehen dem Sterben mit Angst und Wut entgegen.

Dies kommt im Todesschrei zum Ausdruck; Bölls „Helden“ schreien, bevor sie sterben müssen. Dieses Motiv kehrt in allen Kriegserzählungen wieder. (=> „Wanderer, kommst du nach Spa..“)

Das „Schreien“ ist symbolhafter Ausdruck der Hilflosigkeit und Not der Menschen im Krieg.



Die ERZÄHLHALTUNG des Romans ist auktorial. Die Mittelpunktfigur , der Landser Feinhals, ist ein winzig kleines, fast überflüssiges Rädchen in der Riesenmaschinerie des Krieges. Er kann aus seiner Perspektive nicht mehr als einen winzig kleinen Ausschnitt der Ereignisse übersehen.

Dies ist nur dem außerhalb des Geschehens stehenden „allwissenden“ auktorialen Erzähler mit seinem Überblick möglich. So wissen Erzähler und Leser längst, daß Ilona tot ist, während Feinhals immer noch hofft, sie wiederzusehen.
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann

Dieses Werk war ein Bestseller, allerdings mit unterschiedlichen Kritiken.

Es kam auf die Weltanschauung des Betrachters an bzw. welchem politischen Lager er angehört.

=> Es kam zu einer Kontroverse in der Beurteilung.

Diese Erzählung Bölls prangert den Boulevardjournalismus an und vor allem die Bildzeitung von Axel Springer.

(Welt / Welt am Sonntag)

Die Reaktion der Zeitung war, daß die Bestsellerliste aufgelassen wurde, da auch Böll sehr lange darauf stand.

WERK:

°) eingeteilt in 58 Kapiteln

°) zahlreiche Rückblenden und Vorausschauen

°) Zeugen kommen zur Sprache

°) im Zentrum: eine junge Frau (27 Jahre) — Katharina Blum bietet einen angeblichen Bundesheerdesateur

Unterschlupf. Sie wird durch Zufall in einen Kriminalfall verwickelt.

Die Bild-Zeitung macht daraus eine riesiges Geschichte.

(siehe Günther Wallraff: Er beweist wie unverantwortlich Sachverhalte ins Gegenteil umgeändert werden.)

°) hier: sind die Zeitungsartikeln nur fiktiv (auch Katharina Blum ist nur eine Fiktion)

°) Blum: Sie verliert durch die Zeitung ihren Ruf (Rufmord) und arbeitet gegen diese Gesellschaft, d.h. sie reagiert mit Gegengewalt.

°) Es ist nicht wichtig das Geschehen selbst sondern das „Innere“.

Der Akzent liegt auf dem inneren Geschehen!

D.h. die Tat selbst ist unwichtig, aber die Vorgeschichte dazu ist von Bedeutung.

°) Wie kommt es dazu, daß eine junge, hilfsbereite Frau in vier Tagen zur Mörderin wird, daß Gewalt entsteht.?



literarische Vorlagen:

Kleist: „Michael Kohlhaas“

Schiller: „Die Räuber oder Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ (1786)

Untertitel: „Eine wahre Geschichte“

Vorlage: eine wahre Begebenheit

Mensch ist von der Natur aus sehr benachteiligt stereotyp: klein, schwarzes, krauses Haar; geschwollene Lippe; platte Nase,…

=> Frauen schrecken zurück und Männer machen Witze!

wichtig: Was ihn zu seiner Handlung treibt! (so wie bei Böll)

Handlung:

Held will sich die Liebe eines Mädchens (Hannchen) erkaufen => wird zum Wilddieb (= Sonnenwirt) Mädchen hat noch einen Verehrer, den Jäger Robert. Dieser stellt den Wilddieb => kommt ins Gefängnis. Dadurch wird er erst recht zum Räuber. => Er paßt sich an die anderen an. Schluß: Der Sonnwirt stellt sich der Justiz => Harmonie; Held will Versöhnung mit der Gesellschaft.

Gegensatz — Böll: Blum erschießt den Journalisten!





ZEITUNG:



Boulevardpresse arbeitet mit:

· Kriminalität

· Brutalität

· Sex („Krone“ Seit 5)

· Krieg

Grund: um ja mehr Auflage zu bekommen betreiben sie Effekthascherei.

Nachteil: Es wird vieles verdreht, weggelassen oder dramatischer dargestellt.





Bild-Zeitung: für Fleiß

für Ausdauer

antikommunistisch (antisozialistisch)

gegen Studentenbewegung

=> Ein Studentenführer (R. Dutschke) wurde von einem Bild-Leser angeschossen (erlag später an den Folgen).

(Feindbild: Langhaarige wurde von Bild unterstützt und aufgebaut)

=> Diese Zeitung hatte in den 60iger Jahren sehr viel Macht: => baute einen Politiker auf

Bundeskanzler <==> viele Schriftsteller





Arbeitsweise der Bild-Zeitung:



Methoden der Berichterstattung





1.) unbewiesene Behauptungen als Tatsachen ausgeben

Götten als Mörder und Bankräuber….

2.) völlig aus der Luft gegriffene Vermutungen

3.) Wahl der Zeugenaussage:

Pfarrer („Autorität“) hat den Anschein von Sachlichkeit.

Er bezieht sich auf die Familie. => Vater: Kommunist Mutter: feiert Orgien, Alkoholikerin

Er soll dem Artikel besonderes Gewicht geben und die Richtigkeit betonen.

4.) Sprache der Zeitung:

reißerisch, diffamierend: „die Blum“, „Räuberliebchen“, „Herrenbesuche“

großsprecherische Ankündigungen: Staatsanwaltschaft arbeitet auf Hochtouren. (soll auf seriöse Quellen hinweisen.)

Fragesätze mit verleumderischen Inhalt wirken wie Aussagesätze

Rhetorische Fragen sollen des Lesers Phantasien anregen. z.B.: Ist die Wohnung ein Bandentreff? Ein Waffenumschlagplatz?…

Verdrehung der Tatsachen: „Warum mußte das so enden?“ von Mutter“So mußte es ja enden!“ von Journalist, nachdem er dem einfachen Menschen Artikulationshilfe gegeben hat.



Die Zeitung will auf gar keinen Fall, daß der kleine Mann auf die Idee kommt, etwas an der Machtkonstellation zu ändern. Sie entwirft ein eigenes Bild, wo sich der „kleine“ Mann als „wir“ von der Zeitung angesprochen fühlt

und die mächtige Schicht so stehen läßt wie sie ist.



ð Parallelen zu „Krone“, „Ganze Woche“, „Täglich Alles“:

Schilderung der Tat, wenig Fakten



Historischer Hintergrund:

RAF, Baader – Meinhof – Gruppe (Ende 60-er Jahre): Attentate, Anschläge

Ziel: Veränderung Deutschlands in einen sozialistischen Staat => mittels Terrorakten, da es legal nicht möglich war.

Problem: Leute, die sie engagierten glitten ihnen aus der Hand. Sie taten Dinge, die Baader und Meinhof nicht wollten.

Axel Springer – Verlag: hetzte heftig gegen diese Gruppe (unterstützte Politiker Erhard)

CHRONIK:

1968: Auf den Studentenführer Rudi Dutschke wurde von einem 23-jährigen Anstreicher in Berlin ein Attentat verübt.
Dutschke ist der Führer des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes = SDS
=> Demonstrationen und Zusammenstöße mit der Polizei.
Studenten meinen, daß das Attentat eine Folge der Haltung der Springer-Presse (Bild) sei.

1970: Befreiung des Kaufhausbrandstifters Baader (war im Zuchthaus)
Meinhof geht mit ihm in den Untergrund.
Sie nehmen Guerillakampf – Unterricht im Nahen Osten (Palästina).

1972: Aufgrund der „Terroristenverhaftung“ (Holger Mains) kam es zu einer Hausdurchsuchung bei Böll.
Er wurde in einem Atemzug mit den Terroristen genannt.
=> 14 deutsche Schriftsteller hielten zu ihm.

1975: Baader – Meinhof – Prozeß beginnt. Für diesen Prozeß wird ein Hochsicherheitstrakt ausgebaut.
Die Angeklagten protestieren gegen die Pflichtverteidiger, die eher auf der Gegenseite stehen. (Ihre Verteidiger wurden zum Teil ausgeschlossen.)

1976: Freitod der Meinhof (1934 – 1976)
Sie erhängte sich in einer Zelle in Stuttgart.
Sie war die Begründerin der „Roten – Armee – Fraktion“.
Meinhof arbeitete als Journalistin bei linksorientierten Zeitschriften.
Sie demonstrierte gegen Atomkraft, Vietnamkrieg, Notstandsgesetze, Springer – Verlag.
Seit 1968 verübte sie Anschläge mit anderen.
1972 wurde auch sie festgenommen => 8 Jahre
Gudrun Ensslin und nicht Ulrike Meinhof war der „ideologische Kopf“ der Baader-Meinhof-Gruppe.

1977: Lufthansa-Maschine (Mallorca – Frankfurt) wird entführt
=> verlangen Freilassung von 11 deutschen und türkischen Häftlingen
Maschine landet in Mogadischu und die Passagiere (Geiseln) werden von einer Spezialtruppe befreit.
=> 3 Terroristen tot (haben Selbstmord begangen).

1979: Tod von Dutschke (1940 – 1979)
Er hatte den Wehrdienst verweigert => deswegen durfte er nicht studieren.
(Er wurde 1968 von einem Arbeiter niedergeschossen und starb an den Folgen)


Entstehungsgeschichte



Erzählung im historischen Kontext — Zettel





23. Dez. 12971: Schlagzeile der Kölner Bild-Ausgabe: „Baader – Meinhof – Bande mordet weiter“

— nach Bankraub in Kaiserslautern

(was nicht bewiesen war)

=> Böll mischte in der Diskussion mit.



=> Beitrag des Spiegel: „Will Ulrike Meinhof Gnade oder freies Geleit?“

am 10. Jän. 1972

Böll unterstrich, daß das eigentliche Programm der Gruppe nicht so radikal war, wie es

dargestellt wurde.



=> Presse hat reagiert: Böll wurde beschimpft (vor allem von rechts gerichteten Zeitungen) Er bekam Beinamen: „linker Biedermann“

„böllender Schreibtischhelfer“

Man hat ihm der Sympathie anarchistischen Denkweisen bezichtigt.



=> D i f f a m i e r u n g s k a m p a g n e (der Bild-Zeitung)

Es kam zu einer Hausdurchsuchung in Bölls Landhaus (in der Eifel) 1972

D.h. auch der Staat unternimmt Schritte gegen ihn.



Vorwurf: Sympathisant von Gewalttätern

Terroristenfreund





Seine Rache: „Katharina Blum“

Hier nimmt er Stellung zu den Praktiken bzw. Vorgangsweisen der Presse









°) Vorgänge um den Psychologieprofessor Peter BRÜCKNER:



Er war Direktor der technischen Hochschule in Hannover.



Vorwurf an ihn: Mitglieder der Baader – Meinhof – Bande zu beherbergen.

=> Er wurde deswegen seines Amtes enthoben

=> Sein Image wurde total abgewertet.

=> Rufmord



Folgen: Er war dem Telefonterror ausgesetzt (siehe auch K. Blum)

Er wurde wie ein Aussätziger behandelt

Er konnte sich nicht einmal mehr mit Freunden unterhalten

=> eine psychische Zerstörung, So daß kein normales Leben mehr möglich ist.

(siehe auch K. Blum)







Bölls Anschuldigungen hatten einen handfesten Hintergrund.

Anklage: Informationsmaterialaustausch zwischen Springer-Presse und Polizei

=> 1974: Schlagzeile: „Hausdurchsuchung bei Sohn von Böll“

peinlich: Diese fand erst am nachmittag statt.

Die Schlagzeile war aber schon in der Morgenausgabe.

=> D.h. die Bild-Zeitung hatte die Hausdurchsuchung angekündigt.



Will Ulrike Meinhof Gnade oder freies Geleit? — Zettel



freies Geleit. Befreiung von der Untersuchungshaft in Abwesenheit des Beschuldigten,

wo es nicht zu keiner Verhandlung gekommen ist.



1.) Welche Vorwürfe erhebt Böll gegen die Boulevardpresse?



°) Volksverhetzung — Begriff aus dem 3. Reich (Stürmer = Propagandazeitschrift)

mittels falschen Annahmen und Anschuldigungen => die Wahrheit wird verdreht.

Bild weiß schon, während andere noch ermitteln.



°) Eine Gegendarstellung kommt erst Wochen später und kann die 1. Behauptung nicht aufheben.

=> Es bleibt etwas hängen.

Er verwendet Wörter wie: kryptofaschistisch (verborgen faschistisch)

faschistoid (Faschismus ähnlich)





2.) Analysieren Sie die Sprache des Textes!



°) Sätze nicht vollständig — Einwortsätze: Verhetzung. Lüge. Dreck.

Mordet. Weiter. = Imperativ (Befehlsform)

Es fehlt nur das Rufzeichen. —

Es kann gedacht sein, daß die Presse weiter mordet oder es wurde

von „Baader – Meinhof – Bande mordet weiter“ umgewandelt



Es wird die Formelhaftigkeit der Presse kritisiert: „Fröhliche Weihnachten gehabt zu haben und ein

glückseliges Neues Jahr:“



Böll ist °) zynisch

°) satirisch (Eine Ausdrucksweise, die er immer wieder verwendet.)

°) sarkarstisch („So viel Liebe auf einmal,…)



°) Umgangssprache: „die Bullen“

„man kann schon die Nase vollkriegen“



Rechtsprechung: Linken wurden mehr verfolgt als die Rechten.





Artikel: hat Apellcharakter

Man könnte ihn als Rede verwenden. (einfache Sätze)

— parataktische (Hauptsätze) Aussagen, was das Verständnis erleichtert.











TEXTINTERPRETATION





Beginn: mit einem Vorspann (= Nachspann vom Film)

Personen und Handlung dieser Erzählung werden aufgezeigt.





Untertitel: zeigt wie das Stück bearbeitet wurde, daß die Beweggründe wie es zu so einer Tat kommen

kann im Vordergrund stehen

Vorbild: Schiller: „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“







TEXTINTERPRETATION





1.) Kapitel:



°) Verweis auf Quellen: Vernehmungsprotokoll der Polizei

Rechtsanwalt Dr. Hubert Blorna

Staatsanwalt Peter Hach,…



°) Quellenangabe = Fiktion



°) sachliche Erzählweise wird hier angestrebt — indem man auf die verschiedenen Quellen verweist.



°) auktorialer Erzähler: allwissend, hält alle Fäden in der Hand und kennt alle Hintergründe.

Er gibt vor über den Dingen zu stehen und verfügt über die Quellen.



°) die genaue Quellenangabe wird herausgestrichen

=> Es ist ein Kontrast zu den unseriösen Boulevardzeitungen. (Bild-Zeitung gibt sicher keine Quellen an.)



°) auch Nebenquellen gibt es, die nicht erwähnt werden, da es sonst zu Verstrickung, Verwicklung,…..

(= Alliteration / Stabreim) kommen könnte.







2.) Kapitel:



Ironie: „Pfützen“ werden angezapft, miteinander verbunden,…

„es wird um Nachricht gebeten“ = Amtssprache

Stockungen treten auf…. (= ironisch gemeint)







3.) Kapitel:



°) Tatsachen (= brutal) werden genannt



°) in Kürze werden die Fakten erzählt



°) Es wird der Vorgang geschildert: Täterin erschoß Journalist

stellt sich der Polizei

zeigt keine Reue und bittet um Verhaftung



°) „Es soll hier auch nicht soviel von Blut gesprochen werden“

=< Hinweis auf Farbeffekte: Scheichkostüm - weiß und rotes Blut = Ironie

(Kontrast zur Effekthascherei, die die Bild-Zeitung betreibt.)



°) heute: z.B.: „Krone“: hetzt gegen Ausländer — Verbrecher (mittels genauer Schilderung der Tat)







4.) Kapitel.



Adolf Schönner, ebenfalls Journalist, wird im Wald erschossen aufgefunden.

Man wollte (vor allem die Bild-Zeitung) Katharina auch diesen Mord anlasten.



=> Ihre Antwort: „Ja, warum eigentlich nicht den auch?“

Doch vom Charakter her kann sie es nicht gewesen sein, weil sie den Mord an Tötges sofort

gestand; — und von der zeitlichen Sicht her wäre es auch nicht möglich gewesen.









5.) Kapitel:



°) Karl (= Polizeiagent), der Götten beobachtet, ist als Scheich verkleidet und erregt Aufsehen, da er am WC

„Selbstgespräche“ (gibt seinen Bericht und Weisungen weiter) führt.



°) Kritik an der Geschäftswelt, die Angst hat vor einem „versauten“ Geschäft, wenn der Mord früher publik

geworden wäre. (Wer hätte dann noch den Fasching gefeiert?)







6.) Kapitel:



°) Tötges, der Journalist als Opfer => Schlagzeilen, große Aufmachung auf den Titelblättern



°) „Einwortsätze“ => Es wird die Arbeitstechnik der Bild-Zeitung parodiert.

Zeitung stellt Behauptungen auf, die nicht bewiesen sind.

=> Feststellung des Erzähler: Wie kann es dazu kommen, daß eine so kluge Person sich

zu so einer Tat hinreißen läßt?





7.) Kapitel:



Hier erfahren wir persönliche Dinge von Katharina Blum (teure Eigentumswohnung,…) und auch über den

Arbeitgeber Dr. Blorna.







12.) Kapitel:



°) Bezugnahme auf die Verhörmethoden der Polizei: Schwerbewaffnete stürmen ihre Wohnung

(ebenfalls bei der Festnahme Göttens)



°) Bezugnahme auf Wortwahl: Aufzeigung der verbalen Gewalt gegen Katharina von der Institution Staat

z.B.: „aufreizend gegen das Bord gelehnt“……

=> Katharina kann kein Vertrauen mehr zur Polizei entwickeln, da sie mit Wort verletzt und gedemütigt wurde.







13.) Kapitel:



Ironie: Badezimmertür wird strengstens bewacht als sie sich umzieht, obwohl Götten nicht in der Wohnung ist.







ab 15.) Kapitel:



die Vorgeschichte von Katharina: Sie selbst wird mit einem Heiligenschein ausgestattet.

°) Vater früh verloren

°) Bruder Kurt im Gefängnis

°) Mutter Alkoholikerin

=> Sie mußt immer arbeiten.



Doch einige Stellen mußte sie aufgeben, weil die Hausherren zu aufdringlich wurden und dies weder Katharina noch die Ehefrauen es wünschten. z.B.: Dr. Kluthen – Arzt (ehrwürdiger Herr der Gesellschaft?)



°) beim Wirtschaftsprüfer Dr. Fehnern mußte sie die Stelle aufgeben,

weil Fehnern ins Gefängnis wegen Betrugs mußte.



°) Stelle bei Ehepaar Blorna





Katharina erhielt durch sie eine Eigentumswohnung — Programm: „Elegant am Strom wohnen“

(Die 70-er Jahre sind typisch für Großprojekte, die nicht gut

sind für die Pysche des Menschen.)



Sie war sehr sparsam, hat Aushilfsstellen angenommen und konnte daher den Kredit für die Wohnung leichter zahlen. => „emsiges, fleißiges Kathrinchen“

(Blornas steckten ihr Essen und Trinken.)



18.) Kapitel:



°) die sprachliche Sensibilität von Katharina: => Sie hat jedes Wort des Protokolls kontrolliert.

=> Sie möchte, daß statt Zärtlichkeiten —

Zudringlichkeiten in Bezug auf die Herrenbesuche eingesetzt wird.

Begründung: Zärtlichkeiten sind beiderseitige Handlungen

Zudringlichkeit ist eine einseitige Handlung



°) Die Polizei nimmt es als Kavaliersdelikt. Sie will die Taten der ehrwürdigen Herren verniedlichen.



°) heute: Belästigung am Arbeitsplatz — wird ebenfalls oft bagatellisiert

z.B.: grapschen,…







19.) Kapitel:



°) Weitere Verhöre von Beizmenne sind brutal: Sie habe 2 Jahre lang Herrenbesuche also kenne sie den

Götten bereits seit 2 Jahren.



Die Polizei macht weitere psychologische Fehler: °) Sie könne ruhig über die Herrenbesuche reden, denn es

macht doch nichts wenn sie einen Freund habe, der nicht

zudringlich sondern zärtlich zu ihr sei, denn sie sei ja

geschieden.

°) Anspielung auf Bezahlung gegen Liebe.

„da möglicherweise bei unzudringlichen Zärtlichkeiten

gewisse materielle Vorteile heraussprängen“







22.) Kapitel:



Wie die Bild-Zeitung arbeitet, wie sie mit Tatsachen umgeht und wie Böll dies ankreidet.



°) durch reißerische Berichterstattung (marktschreiender Stil). — z.B.:“Mörder“ – obwohl es noch nicht

nachgewiesen ist.



°) durch denunzierende Ausdrücke

„die Blum“ = Eine Herabsetzung durch diesen Artikel.



°) durch optischen Eindruck: Katharina auf der Titelseite mit Riesenphoto und riesigen Lettern.



°) Verdrehung der Tatsachen (kühl –> eiskalt)

°) Interview des Pfarrers = gewichtige Persönlichkeit, der immer die Wahrheit sagt

=> Diese Aussage zählt doppelt und sie ist für Katharina eine negative Aussage.

Der Pfarrer hat sie schon in der Schule herabgesetzt („rötliches Kathrinchen“).

Weiters behauptet er, daß der Vater ein Kommunist gewesen sei, weil er einmal sagte, daß der Sozialismus

nicht das schlechteste sei.

Außerdem wurde aus einer getrunkenen Flasche Meßwein von der Mutter mit dem Küstner eine Orgie mit

Liebhabern. (laut Bild-Zeitung)





°) durch „rhetorische Fragen“ soll die Phantasie des Lesers angeregt werden. (wirken aber wie Wahrheit)



°) „Staatsanwaltschaft arbeitet auf Hochtouren“ => soll den Anschein von seriösen Quellen erwecken







23.) Kapitel:



Tötges hat auch die Aussage der Mutter verdreht in: „So mußte es ja enden!“

Sein Kommentar dazu: „man müsse Artikulationshilfe geben….“ = purer Zynismus



Die Zeitung „unterstützt“ einfaches Milieu (Arbeiter). — siehe Ex-Ehemann von Katharina.

°) Zeitung will auf gar keinen Fall, daß der „kleine Mann“ auf die Idee kommt, etwas an der Machtkonstellation

zu ändern.



°) Ex-Ehemann Brettloh: der „biedere Textilarbeiter“: => Die Zeitung suggeriert den Lesern er ist „einer von uns“.

-) Er hätte ihr keinen Porsche kaufen können, aber zu einem Kleinwagen hätten sie es

gebracht.



°) Seine Sprache: kurze einfache Hauptsätze

umgangssprachliche Wendungen („tritschen“) = restringierter Code

(ist der unteren Schicht zugesprochen)

niveauvolle Sprache = elaborierter Code

(= Sprache der Wissenschaft)



°) Weiters versucht die Zeitung durch den Ex-Ehemann gegen den Sozialismus Stimmung zu machen.

=> Frage: „Wie kommt ein Dienstmädchen an solche Reichtümer?“ (-> Neid)

(Aber auch sie hätten einen Abklatsch von der großen Gesellschaft erreicht.)

Es werden ständig die Reichtümer der „Sozialisten“ betont.

z.B.: Blornas vor dem Swimmingpool und der Luxusvilla.

„Jetzt weiß ich, warum ich ihre Radikalität und Kirchenfeindlichkeit immer gefürchtet habe.“

(Sie wird nicht nur als Kommunist dargestellt, sondern auch noch kirchenfeindlich.)

Katharina lehnt auch seine „unkomplizierte Zuneigung“ (= Zudringlichkeit) ab.



°) Es wird das Bild des gebrochenen Ehemannes, des einfachen, ehrlichen Mannes projiziert.

=> Damit wird das Gesellschaftsbild, daß die Zeitung haben möchte, propagiert.

°) => Die Zeitung vertritt die Ideologie des „kleinen Mannes“ (Anpassung an eine große Leserschicht)



°) Zielrichtung: System der Kirche (mit negativen Begleiterscheinungen)

Rolle des Pfarrers ist negativ

(Erst mit 18 – 19 Jahren wandte Katharina der Amtskirche den Rücken zu und zahlte keine

Der Autor hat leider keine Quellen genannt.

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Anna

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