Judenverfolgung vor 1930

Judenverfolgung vor 1930​ - ein Geschichte Referat

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Judenverfolgung vor 1930

Die Vernichtung der Juden,
von der Diskriminierung einzelner Personen bis hin zur Massenvernichtung in Konzentrationslagern,
ist ein sehr langes Thema.
Geschichte lässt sich nicht ungeschehen machen,
erst recht nicht die Geschichte dieses Ereignisses,
das im Zentrum einer Erschütterung stand,
welches die Welt verändert hat.
Die Vernichtung der europäischen Juden
durch die Deutschen
war ein unvorstellbarer Gewaltakt,
der jüdische Zusammenbruch
unter dem deutschen Ansturm
eine Offensichtlichkeit des Scheiterns.
Diese beiden Phänomene bildeten den Schlusspunkt einer langen Vorgeschichte.
Antijüdische Politik und antijüdische
Aktivitäten begannen nicht erst im Jahre 1933.
Seit Jahrhunderten
und in vielen Ländern sind
die Juden als Sündenböcke dargestellt worden…


Referat über die Judenverfolgung vor 1933
von Franziska Zurmühlen


Wie kam es dazu, dass die Juden verfolgt wurden?

Zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert traten die Juden als Kaufleute in den Fernhandel ein. Sie hatten viele Vorteile wie zum Beispiel ihre Internationalen Beziehungen oder ihre Vielsprachichkeit (Persisch, Griechisch, Arabisch, Spanisch, Slawisch..). Sie hatten Handelsbeziehungen zu Ländern wie Indien oder China wohin sie vor allem Sklaven, Seide, Pelze, Waffen u.s.w. transportierten. Die meisten Juden zogen den Sklavenhandel vor.
Die wirtschaftliche Betätigung der Juden ist mit einer sogenannten Phasentheorie zu beschreiben. In der ersten Phase trugen sie die Pionierrolle*, in der zweiten blühten die jüdischen Gemeinden regelrecht auf, da sie zur Zufriedenheit ihrer Umwelt beitrugen. In der dritten Phase wendete sich das Blatt. Die Christen lernten es, die Wirtschaft selbst zu beherrschen. Seit dem 11. Jahrhundert strebten ihre Städte nach ganz oben, das Bürgertum, das den Warenhandel an sich reißen wollte, gelang an die Spitze und die Geldwirtschaft löste den Naturalien- und den Produkttausch ab. Die Juden bekamen Betätigungsverbote. In der vierten und letzten Phase verloren die Juden endgültig ihre Stellung, Verfolgungen und Vertreibungen setzten ein.

Wie ging es dann weiter?

Bei Betrachtung der Judenverfolgung, fragt man sich zuerst einmal, was so ein Menschenleben im damaligen hohen Mittelalter überhaupt bedeutete. Nun ja, man muss davon ausgehen, dass das Leben eines Nichtchristen keinem hohen Wert trug. Die blutigen Verfolgungen der Karthager in Südfrankreich, die Glaubenskämpfe zwischen Katholiken und Hussiten* und die bitterlichen militärischen Konflikte in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit zwischen den Katholiken und den Protestanten bestätigen diese Annahme. Die Massaker an den Juden bildeten keine Ausnahmen, doch sie hinterließen auf Grund ihrer Schutzlosigkeit besonders grausame Spuren.
Einem Aufruf folgend (von Gottfried von Buollion), das Blut Christi an den Juden zu rächen, nutzten bewaffnete Scharen um im ersten Kreuzzug im Jahr 1096 die jüdischen Bewohner der Städte Trier, Speyer, Worms, Mainz und Köln zu verfolgen und umzubringen. Auch der zweite Kreuzzug im Jahr 1146/47 überrollte die jüdischen Gemeinden mit einem blinden Hass, der den christlichen Teilnehmern Zahlungsaufschub oder Schuldenerlass gegenüber den Juden versprach. Wer sich als Jude retten wollte, musste durch eine Taufe zum Christentum hinübertreten. Die schlimmsten Verfolgungen spielten sich im Jahre 1348/49 ab, denn da wurde den Juden vorgeworfen, mitunter Schuld an der Brunnen- und Quellenvergiftung (schwarzer Tod) zu sein, die im Zusammenhang mit der Pestepidemie in Europa eintraf. Ihr tausendfacher Tod auf dem Scheiterhaufen, dem Rad und an dem Galgen vernichteten die meisten jüdischen Gemeinden.

Die Rechte der Juden im Hochmittelalter

Die Politik in den einzelnen Abschnitten des Mittelalters gegenüber den Juden war nie einheitlich, da die Konkurrenz der herrschenden Gewalten wie z.B. Papst, Kaiser, Fürsten untereinander zu groß war und damit eine in sich verschlossene Zielsetzung verhinderte. In rechtlicher Hinsicht unterschieden sich die Juden nur wenig von anderen Teilen der mittelalterlichen Gesellschaft. Erst das Hoheitsrecht von Friedrich II im Jahre 1236, das die Juden zum Kammerknechten hinabstufte erfasste „die Juden nicht wie früher als bloß eine von mehreren gleichberechtigten Gruppen, wie Frauen, Kaufleute oder wie Stadtbewohner verschiedener Nationalität, jetzt werden die Juden vielmehr offiziell als eine Sonderklasse der Bevölkerung erklärt, für die mit dem einen Worte ´servi camerae` ein umfassendes Sonderrecht festgestellt wird. Es erfasst ausnahmslos alle Personen gleicher Art, nämlich die Juden, als eine einheitliche, ständisch geschlossenen Masse…“ (Laut Guido Kisch; die Idee der politischen Judenfrage war geboren).
Nachdem die Juden ihre Rechte, im Handel tätig zu sein, an die Städte abgegeben hatten, wurden sie auf einen neuen Zweig der wirtschaftlichen Betätigung abgeschoben, welche das Bild ihrer Umwelt bis in unsere heutige Zeit prägen sollte. Das von Papst Alexander III zugestandene Recht von 1179, dass Juden gegen Zinsen Geld verleihen durften („Wucher“*) wurde von Innozenz III 1215 bestätigt, als er ein an die Christen gerichtetes Verbot der Zinsnahme erließ. Die Tatsache das Juden Zinsen nahmen machte sie allein schon unbeliebt. Da die mittelalterliche Sozialordnung nicht bereit war Juden in Zünfte*, Gilden* und Korporationen* aufzunehmen, blieb den Juden nur der Handel mit Trödel und Pfänder, der ihnen den Vorwurf der gemeinsamen Grundgedanken mit Mördern und Dieben eintrug. Nach den Pestjahren 1348/49 wurde die Finanzkraft der Juden geschwächt, dass die jüdische Geldleihe ihre Bedeutung verlor, also verlagerten sich die Finanztransaktionen auf die weltbekannten Handelshäuser. Erneut hat sich die Phasentheorie bestätigt, die mit Diensten begann und mit Vertreibung und Mord endete.

Die Juden am Ende des Mittelalters

In West- und Südeuropa
Überall spiegelte sich der Widerspruch zwischen dem wirtschaftlichen Nutzen und dem gegen die Juden gerichteten religiösen Wettkampf wieder. 1290 wurden sie aus England, 1293 aus Süditalien, 1394 nach ewigem hin und her der Ausweisungen und Wiederaufnahmen aus Frankreich vertrieben. 1233 trieb die Inquisition die ersten Juden aus Spanien in die Flucht. Nach dem Endgültigen Sieg der Christlichen Waffe über Spanien wurde die Stellung der Juden unhaltbar und tausende Juden fielen auf dem Scheiterhaufen, der Rest wurde zur christlichen Taufe gezwungen. Die Verfolgung der Juden hielt in den einzelnen Landesteilen ein ganzes Jahrhundert an, bis der „Rest“ (ca. 200 000 Juden) Spanien innerhalb von vier Monaten verlassen musste. Die Vertriebenen suchten in den Niederlanden, in Hamburg, in Nordafrika, in Ungarn und in der Türkei eine neue Lebensgrundlage.

In Osteuropa
Im Hochmittelalter entwickelte sich in Polen ein jüdisches Siedlungszentrum, das seine Bedeutung bis ins 20. Jahrhundert behalten hat. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts sollten die Juden in den agrarisch geprägten Ländern wie zum Beispiel Polen, Litauen und Ukraine als Kaufleute, Pächter und Handwerker das fehlende Bürgertum ersetzen. Nachdem die jüdischen Einwanderer aus Mitteldeutschland in Osteuropa ankamen, trafen sie bereits aus jüdische Gemeinden. Auch in Polen haben jene Kräfte ihren Einfluss geltend gemacht und somit erklärte die Versammlung von Breslau im Jahr 1267, dass Polen eine „Neupflanzung“ der christlichen Kirche ist und die christliche Bevölkerung unter die Macht des jüdischen Glauben geraten könnte. Deshalb müsse man darauf dringen, dass die Juden nicht Seite an Seite mit den Christen, sondern allein in einem viertel des Dorfes oder der Stadt leben. Ende des 14. Jahrhunderts wurde ihnen der Ritualmord vorgeworfen und somit musste der König unter dem Druck der Kirche sechzig Jahre später einen Teil der jüdischen Rechte zurücknehmen. Trotzdem war das Leben unter diesen Voraussetzungen viel erträglicher als das in Westeuropa. Zwar verschafften die Wirtschaftlichen Bedingungen an die Feudalherren erhebliche Vorteile, doch diese Vorteile erweckten Neid und Hass und Spannungen in den Städten, die nach Entladung suchten und so wurde das friedliche Leben der polnischen Juden im Jahre 1648/49 durch den Kosakenaufstand zerstört. Erneut fand ein Judengemetzel statt.
Einige Jahre später, 1654 trafen die Moskowiter in Litauen ein, Schweden marschierte in Polen ein und nach deren Vertreibung, setzte die Verfolgung gegen die Juden, von Seiten des polnischen Volksheer, erneut ein. Zwischen 1648 und 1658 starben rund 100 000 Juden.

In Deutschland
Nach den schweren Verfolgungen Mitte des 15. Jahrhunderts lebten nur noch wenige Juden in Deutschland. Aus den großen Städten sind sie bereits vertrieben worden, in einigen ländlicheren Gebieten fanden sie Unterschlupf. Ihre ehemaligen Bedeutung als Träger neuer Wirtschaftsideen hatten sie auch in diesem Land längst verloren. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie nur schwer mit dem Kauf von Produkten und dem jeweiligen Verkauf der Ware auf Märkten u.s.w. Die religiöse Ablehnung des Judentums erwies sich als ungebrochen und lieferte die Rechtfertigung für Aufrufe zur Verfolgung. Dennoch kam zu Beginn der Neuzeit eine entscheidende Wende. Vertreter des Humanismus wie zum Beispiel Johannes Reuchlin, machten auf die durchaus jüdischen Quellen des Christentums aufmerksam, forderten mehr Toleranz den Juden gegenüber und setzten sich für deren Glaubensfreiheit ein. Doch auch wenn sich im 16. Jahrhundert keine Massenpogrome wiederholt hatten, so nahm der Kampf um die Gleichheit der Bürger noch mehr als weitere 300 Jahre in Anspruch.

Der Anbruch einer neuen Zeit

In Preußen gewährte der Große Kurfirst Friedrich Wilhelm fünfzig jüdischen Familien den Zuzug, nachdem sie ein bestimmtes Vermögen vorzuweisen hatten. Sie wurden mit Privilegien ausgestattet und sie wurden zur Förderung des Handels für zwanzig Jahre eingelassen. Auch hier unterlagen die Juden wieder gesonderter Maßnahmen. Sie mussten hohe Steuern zahlen. Nach Ablauf der ersten Phase, erweiterte der Staat das Feld der jüdischen Betätigungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Ausübung von Handwerken. Doch die Aufnahmezulassung wurde an den Vermögensnachweis von mindestens 10 000 Talern gebunden.
Das Generalprivileg von 1730 beschränkte die Zahl der jüdischen Familien in Berlin auf hundert und die Ausübung von Handwerken wurde bis auf wenige Ausnahmen untersagt. 1750 wurden die Bestimmungen gegen die Juden weiter verschärft. Da der König eine Vermehrung der Juden vermeiden wollte, ließ er jene, ohne Schutzbrief, aus dem Land schicken. Doch auch die Schutzjuden durften ihr Recht auf nur eines ihrer Kinder übertragen. Familien, die den Schutzbrief auf ein zweites Kind übertragen wollten, mussten ab 1769 Siebzigtausend Taler zahlen.
Über die Juden gab es in der Politik verschiedene Ansichten. Zumal schrieb Archivar Christian Wilhelm Dohm eine Denkschrift „Über die bürgerliche Verbesserung der Juden“ in welcher er darauf hinwies, dass das drückende Los des Großteils der jüdischen Bevölkerung außerhalb des staatlichen Schutzes und der Gesellschaft lebte und die fürstliche Politik, so schreib Dohm hindere diese Juden, „glücklichere und bessere Glieder der bürgerlichen Gesellschaft“ zu werden. Dohm war mitunter der einzige der an die Gleichstellung knüpfte. Für den Philosophen Johann Gottlieb Fichte stellte sich die Lage nämlich schon ganz anders dar. „Wenn man den Juden tatsächlich Bürgerrechte geben wolle, dann gebe es kein anderes Mittel als das, in einer Nacht ihnen allen die Köpfe abzuschneiden und andere aufzusetzen, in denen auch nicht eine jüdische Idee ist. Um uns vor ihnen zu schützen, dazu sehe ich wieder kein anderes Mittel, als ihnen ihr gelobtes Land zu erobern und sie alle dorthin zu schicken.“


Aufstieg und Krise des deutschen Judentums

Die erste Emanzipationsurkunde, das sogenannte Toleranzpatent, wurde 1782 von Kaiser Joseph II verkündet. Es brachte den Juden eine gewisse Erleichterung, weil es auf die Kopfsteuer, den Leibzoll und auf das Tragen des Judenabzeichen verzichtet. Es öffnete ihnen landwirtschaftliche und handwerkliche Berufe, ermunterte sie zur Fabrikation und verschaffte den jüdischen Kindern einen Zugang zu öffentlichen Schulen. Die rechtliche Lage der Gleichberechtigung ist aber nach wie vor noch ein unberührter Punkt geblieben.
Durch die Französische Revolution siegte in Frankreich der Gedanke der bürgerlichen Gleichberechtigung. Doch in Frankreich ging die politische Entwicklung in kleinen Schritten voran: 1808 wurden alle jüdischen Angelegenheiten einer Aufsicht in Paris unterstellt, und ein zweites Dekret schränkte jüdische Kredit- und Handelsgeschäfte ein und verbot den Zuzug von weiteren Juden in den Nordosten des Landes. Erst 1848 fielen die letzten Schranken. In England entstand die Gleichberechtigung 1858, in Österreich 1867 in Italien 1870 und in der Schweiz 1874. In Preußen vollzog sich die Gleichstellung der Juden in Stufen. Die Preußische Städteordnung von 1808 sprach den Schutzjuden Bürgerrechte zu. Mit dem „Befehl betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in dem Preußischen Staate“ vom 11. März 1812 fand die Emanzipation der Juden ihren Höhepunkt und ihren vorläufigen Abschluss.
Die verfassungsrechtliche Gleichstellung schien gesichert und die Tore des Ghettos öffneten sich. Auch in anderen deutschen Staaten waren Emanzipationsbefehle erlassen worden. Aber der Wiener Kongress legalisierte 1816 die erneute Entrechtung. Diese Doppeldeutigkeit hatte bereits die Diskussionen um die Bürgerrechte begleitet, denn es wollten ja nun doch einige, die Juden nicht als Volk mit einem eigenen Charakter und einer eigenen Gemeinde verlieren. Selbst die in Preußen ausgedrückte Bereitschaft zur Reform des jüdischen Zeremonialgesetzes wurde vom Staat mit der Begründung abgelehnt, sie wolle das Judentum dem Zeitgeist anpassen und nicht auflösen.

Die Jahre bis 1871

Den Gegensatz zwischen Juden und Christen konnte die Emanzipation natürlich nicht aufheben. Nach den Worten von Eva Reichmann verlegte die Emanzipation das Spannungszentrum der sogenannten Judenfrage von der rechtlichen auf die gesellschaftliche Ebene. Die unentschiedene Haltung setzte sich in den Jahrzehnten fort. In Preußen wurde 1822 das Recht zur Bekleidung eines Lehramts für Juden aufgehoben, neun Jahre später folgte die Verordnung ein Jude könne nicht Bürgermeister werden. Noch das Preußische Judengesetz von 1847 ließ die Juden zu keinem öffentlichen Amt zu und schloss sie aus einem großen Teil der akademischen Lehrtätigkeit aus. Im Jahre 1848 fand in Deutschland eine Revolution statt, die sich mit den Rechten der Juden auseinander setzte. Doch die preußische Verfassungsrevision* nützte nichts, denn sie beinhaltete zwar eine volle Gleichberechtigung aber wurde letztendlich unter dem Druck der Revolution verabschiedet.
Da das Bürgertum nicht die Stärke besaß, dem demokratischen Gedanken politisch zum Durchbruch zu verhelfen, ließ die staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden bis 1869 auf sich warten. Die Bestimmungen des Norddeutschen Bundes gingen in die Reichsverfassung vom 16. April 1871 ein.




Assimilation und Antisemitismus

Nachdem der Wiener Kongress beendet war, entluden sich noch einmal die wirtschaftlichen und politischen Unzufriedenheiten und es kam zu judenfeindlichen Ausschreitungen in Hamburg, Frankfurt (Main), Würzburg und anderen Städten. „Diese Juden, die hier unter uns leben, die sich wie verzehrende Heuschrecken unter uns verbreiten, und die das ganze preußische Christentum mit dem Umsturz bedrohen, das sind Kinder derer, die da schrieen: kreuzigte, kreuzigte. Nun auf zur Rache! Unser Kampfgeschrei sei Hepp! Hepp! Hepp!!! Aller Juden Tod und Verderben. Ihr müsst fliehen oder sterben…“ hieß es auf einem Flugblatt. Demzufolge lassen sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts unzählbare Versuche nachweisen, die staatsbürgerliche Gleichschaltung der Juden rückgängig zu machen. Die soziale Frage des 19. Jahrhunderts bekam eine antijüdische Note. Es fielen Sprüche wie „Juden sind wie ein zersetzendes Gift, das an dem Gemütsleben der Nation frisst“ (Adolf Stoecker) oder „die Juden sind unser Unglück“ (Heinrich von Treitschke). Diese Argumentationen gingen auf das Hauptproblem, die nationale Frage, des 19. Jahrhunderts ein. Die Erfindung des Wortes „Antisemitismus“ wurde dem Journalisten Wilhelm Marr zugeschrieben, der zu den zahlreichen Menschen gehörte, die das Tagesgeschäft der antijüdischen Propaganda betrieben. Die Biologie und die Medizin mussten für den Beweis aufkommen, dass es sich bei den Juden um eine minderwertige Rasse handelte. Marr und seine Nachfolger nutzten Ordnungsbegriffe, wie „semitisch*“ und „arisch*“ für politische Zwecke um Aussagen über rassische Merkmale und Eigenschaften zu unterstellen. Die Entdeckung von dem Biologen Charles Darwin, die vom Sieg des Stärkeren über den Schwächeren in der Natur handelte, wurde in auf die Sozialgeschichte der Menschheit übertragen. „Körperlich und seelisch ragen die Arier von Rechts wegen unter allen Menschen empor, darum sind sie von Rechts wegen die Herren der Welt“, erklärte Chamberlain.
Bisher konnte der Jude den Ablehnungen entgehen, indem er sich taufen ließ, aber nach dem Aufleben der Rassentheorien wurde auch die Aufnahme in das Christentum wertlos. Die Zurückführung der Spannungen auf einem rassischem Kern, den der einzelne in sich trug, hatte den unschätzbaren Vorteil, dass eine solche Weltanschauung sich über die Pöbeleien der Gosse überragend fühlen konnte. Damit war eine wichtige Voraussetzung für die Attraktivität des Antisemitismus auf das wissenschaftsgläubige Bürgertum geschaffen.
Als das Kaiserreich 1918 militärisch zusammenbrach, gehörten die Juden neben den Demokraten und Sozialdemokraten zu den Bevölkerungskreisen, gegen die sich die sogenannte Dolchstoßlegende richtete, der Vorwurf des Hochverrats und der Sabotage* der deutschen Kriegspolitik an der „Heimatfront“.
Es wäre an dieser Stelle eine hoffnungslose Überforderung, die Leistungen und Beiträge der Juden im deutschen kulturellen Leben bis 1933 aufzuzählen und sie würdigen zu wollen. Welches Potential durch den Rassenwahn verlorengegangen ist, dürfte sich am ehesten rausstellen, wenn man der Frage nachgeht, warum die frühere Geltung Deutschlands auf den Gebieten Kunst und Wissenschaft abgebrochen ist. Der Grund war, dass viele bedeutende Physiker, Chemiker, Mediziner, Schriftsteller, Komponisten, Dirigenten und Sänger (Albert Einstein, er floh in die USA, Arnold und Stefan Zweig, Ernst Deutsch und andere) Juden waren…






Begriffserklärungen:

Pioniere: Soldaten, Wegbereiter, Vorkämpfer
Hussiten: Anhänger der in 1415 in Böhme entstandenen religiösen Aufstandsbewegung
Wucherei: Betrug, Ungesetzlichkeit, Preistreiberei, Habsucht
Zünfte: Gemeinschaften, Vereinigungen
Gilden: Vereine (ähnlich wie Zünfte)
Korporationen: Vereinigungen, Gemeinschaften, Vereine (wie Zünfte und Gilden)
Revisionen: Änderungen und Korrekturen
Semit: Angehörige der semitisch sprechenden Völkergruppe
Arier: Angehörige der frühgeschichtlichen Völker in Indien und im Iran. In der Nationalpolitik wurde dieser Begriff verfälscht und stand für Menschen des germanischen, bessergesagt, des nichtjüdischen Blutes.
Sabotage: Beeinträchtigung eines wirtschaftlichen Produktionsablaufes, militärischer Operationen durch Widerstand oder (Zer)störung der zur Erreichung eines gesetzten Zieles notwendigen Einrichtungen.

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Ömer

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